Landtagswahl 2026: Parteien beantworten Wahlprüfsteine des Landesverbandes Sozialpsychiatrie M-V e.V.

Landtagswahl 2026: Parteien beantworten Wahlprüfsteine des Landesverbandes Sozialpsychiatrie M-V e.V.

Anlässlich der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 hat der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. im April seine Wahlprüfsteine veröffentlicht. Nun liegen die Antworten der Parteien vor. Wir haben sie in einer gemeinsamen Veröffentlichung zusammengestellt und stellen diese ab sofort allen Interessierten zur Verfügung.

Psychische Gesundheit und sozialpsychiatrische Versorgung in den politischen Fokus rücken

Mit unseren Wahlprüfsteinen möchten wir auf die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Mecklenburg-Vorpommern aufmerksam machen und ihre Belange stärker in den sozial- und gesundheitspolitischen Diskurs im Vorfeld der Landtagswahl einbringen.

Dafür haben wir Themen aufgegriffen, die für die Weiterentwicklung der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern aus unserer Sicht von besonderer Bedeutung sind. Dazu gehören unter anderem die Förderung psychischer Gesundheit und Prävention, die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der Abbau von Stigmatisierung, die Stärkung gemeindepsychiatrischer Versorgungsstrukturen sowie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Unsere Fragen richten den Blick dabei nicht nur auf grundsätzliche politische Positionen, sondern insbesondere auf konkrete Vorhaben für die kommende Legislaturperiode.

Vier Parteien haben auf unsere Fragen geantwortet

Antworten auf unsere Wahlprüfsteine haben wir von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP und SPD erhalten.

Die Rückmeldungen zeigen, welchen Stellenwert die Parteien den verschiedenen sozialpsychiatrischen Themen beimessen und welche Maßnahmen und politischen Initiativen sie für die kommenden Jahre vorsehen. Gleichzeitig werden Unterschiede in den Positionen, Schwerpunktsetzungen und vorgeschlagenen Lösungswegen sichtbar.

Mit der Veröffentlichung möchten wir Fachkräften, Menschen mit eigener Psychiatrieerfahrung und ihren Angehörigen, unseren Mitgliedsorganisationen, Netzwerkpartner*innen sowie allen weiteren Interessierten die Möglichkeit geben, die Aussagen der Parteien nachzulesen und miteinander zu vergleichen.

Antworten nachlesen und selbst ein Bild machen

Als sozialpsychiatrischer Fachverband verstehen wir die Wahlprüfsteine als Beitrag zu einer fachlich fundierten Auseinandersetzung über die zukünftige Sozial- und Gesundheitspolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Entscheidend wird auch nach der Landtagswahl sein, welchen Stellenwert die Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen im politischen Handeln einnehmen und wie angekündigte Vorhaben konkret umgesetzt werden.

Die Antworten der Parteien finden Sie hier:

Videovorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie “Grenzerfahrungen junger Menschen mit gesellschaftlicher Dimension (Teil 2)“

Videovorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie “ Grenzerfahrungen junger Menschen mit gesellschaftlicher Dimension: Wer bin ich? Und wenn ja wie?“ (Teil 2)

An der Universitätsmedizin Hamburg-Eppendorf veranstaltet Thomas Bock jährlich eine Vorlesungsreihe zur Anthropologischen Psychiatrie mit verschiedenen Schwerpunkten. Ziel der Vorlesungsreihe ist, ein menschliches Bild von psychischen Erkrankungen zu vermitteln, sie nicht auf die Abweichung von Normen oder die Folge entgleister Transmitter zu reduzieren. Anlässlich der COVID-19-Pandemie findet seit 2020 die Vorlesungsreihe in digitaler Form statt. Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Irre menschlich Hamburg e.V. und psychenet. Dabei engagieren sich zahlreiche Expert*innen und Psychiatrieerfahrene sowie Angehörige.

Auch im Sommersemester 2026 geht Thomas Bock mit Zu- und Angehörigen, Psychiatrie-Erfahrenen und Praktiker*innen in den Austausch, um über die aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen zu sprechen. Nach dem im ersten Teil “Wer bin ich? Ringen um geeignete Hilfen für junge Menschen” aktuelle Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Belastungen und Erkrankungen sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie besprochen wurden, geht es im Sommersemester 2026 um neue Themen wie Essstörungen, Geschlechtsidentität und Trauer. 

Trauer: Wer bin ich – nach schweren Verlusten?

Verluste gehören zum Leben. Sie völlig vermeiden zu wollen, würde das Leben extrem einengen. Doch die Art, wie wir damit umgehen, kann sehr verschieden sein. Das gilt auch und besonders für junge Menschen. Wie und wo finden wir Trost? Wie können wir auch schwere Verluste verkraften oder sogar daran wachsen? Wieviel Trauer tut gut? Wie finden wir Resonanz, und wie ist Einsamkeit zu vermeiden? Wie lange ist es ein Schutz, wenn unsere Seele auf Durchzug stellt? Ab wann sprechen wir von Depression? Was läuft schief, wenn wir zu schnell diagnostizieren? Welche (Un)Kultur prägt die rasanten Veränderungen im ICD bzgl. der Krankheitswertigkeit von Trauer. Aber wo sind auch positive gesellschaftliche Veränderungen spürbar? Peggy Steinhauser, Diplom-Theologin und Trauerbegleiterin, berichtet von ihren beruflichen Erfahrungen mit Verschiedenheit, Kuno Köllmann, Irre menschlich Hamburg e.V., von seinen sehr vielfältigen und letztlich ermutigenden persönlichen Erlebnissen. Das Gespräch kann helfen, die Verschiedenheit beim Umgang mit Verlusten zu verstehen und zu akzeptieren – familiär und therapeutisch.

Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Peggy Steinhauser und Dr. Kuno Köllmann

Ess-Störung: Wer bin ich – in meinem Körper mit und ohne Gewicht?

Die Mehrzahl der Bewohner:innen von Industrieländern ist übergewichtig – oft eine Folge u.a. von zu viel Konsum und zu wenig Bewegung. Manche leben radikal in die andere Richtung – im Sinne von Askese und Verzicht, vielleicht auch beeinflusst von fragwürdigen Körperbildern und Werbestrategien. Ab wann sprechen wir von Störung? Ab wann wird die Kontrolle von Nahrung zur Gefahr, vielleicht sogar lebensgefährlich? Und welche Funktion hat das ständige Kreisen um dieses Thema? Und da es immer auch um Identität geht: Wer bin ich – mit und ohne Ess-Störung? Gegen wen richtet sich der „Hungerstreik“? Oder das Gegenteil? Ab wann erfordert die Eigendynamik in beide Richtungen Hilfe? Wo ist diese eher ambulant oder stationär? Was wird zum Wendepunkt? Wer entscheidet was? Welche Rolle spielen Angehörige? Wie gehen wir mit Ohnmacht um? Gibt es auch evolutionäre Aspekte, so etwas wie eine Geschichte des Hungerns? Kennen Sie die historische Bedeutung der „heiligen Anorexie“? Bezogen auf heute: Welche gesellschaftlichen Aspekte sind zu beachten – z.B. der enorme Leistungsdruck, die angstvolle Kehrseite angeblich unendlicher Möglichkeiten usw.

Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Dipl.-psych. Susanne Kaut-Reylaender, Sabrina Scharf und Mareen Grether

(Trans)Identität: Wer bin ich – in der Liebe und nach meinem Geschlecht?

Es geht um die Vielfalt und die Freiheit des Liebens: Wen liebe ich? Und als wer tue ich das? Sind wir da frei? Sich selbst liebend anzunehmen ist eine Herausforderung. Auch das eigene Geschlecht zu anziehend zu finden, erscheint in der Pubertät naheliegend. Wenn das geleugnet oder verboten wird, kann Homophobie die Folge sein. – Wir waren immer schon vielfältiger als die „binäre“ Einteilung in Mann und Frau glauben macht. Wenn das akzeptiert wird, kann das heilsam sein, vielleicht sogar den Wunsch entschärfen, anders sein zu wollen. – Liebe ist mehr als Sex. Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität sind unabhängig. – Geschlechtsrollen spielerisch auszutesten, ist für viele eine selbstverständliche Möglichkeit; sich komplett im falschen Film zu fühlen, ist quälend. Niemand sollte damit allein bleiben, Begleitung behutsam und sorgfältig sein. Psychotherapie kann hilfreich sein, aber nicht, wenn sie (wie früher) vorrangig der Normierung dient. Lieselotte Mahler, Chefärztin aus Berlin reflektierte die aktuelle Fachdiskussion in Fachverbänden und Leitlinien. Cornelia Kost kennt beide Seiten und vermittelte v.a. den gesellschaftlichen Diskurs. Michaela Mosteller betreut die SHG Switch und berichtete von dem eigenen Prozess, den sie nicht als „Umwandlung“, sondern als Anpassung empfand. Für die Enkelin ist sie nun „Frau Opa“.

Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Dr. Lieselotte Mahler, Cornelia Kost und Michaela Mosteller

Doppelerfahrung: Wer bin ich – als Therapeut*in mit Psychiatrie-Erfahrung

Als Psychotherapeut*in lerne ich Abstinenz, soll möglichst wenig von mir preisgeben. Genesungs-Begleiter:innen vermitteln Hoffnung und Selbstwirksamkeit, weil ihre Krisenerfahrung transparent ist. Gibt es neben gesunder Distanz auch „gesunde Nähe“? Niemand will eine Konkurrenz der Not oder einen Wettbewerb um den letzten Platz. Aber könnte mehr Krisenfreundlichkeit nicht auch Stress reduzieren – für alle Beteiligten? Könnten wir so indirekt der immer schnelleren Pathologisierung menschlichen Leidens entgegenwirken?


Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Dr. Astrid Freisen, Prof. Dr. Sebastian von Peter und Gwen Schulz

31. Mitgliederversammlung des Landesverbandes Sozialpsychiatrie e.V.

Am Dienstag, den 8. September 2026, findet die 31. Mitgliederversammlung des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V. im Tagungshotel Ostseeländer in Züssow statt.

Gemeinsam möchten wir auf das vergangene Verbandsjahr 2025 zurückblicken, wichtige Weichen für die weitere Arbeit des Landesverbandes stellen und vor allem das große Engagement innerhalb unseres Verbandes würdigen.

Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Würdigung unserer engagierten Landesarbeitsgruppensprecher*innen, der Jahresbericht und Jahresabschluss 2025, der Haushaltsplan 2026, die Verabschiedung unseres aktuellen Leitbildes sowie die Entlastung des Vorstandes.

Einen fachlichen Impuls gibt Dr. Dietlinde Albrecht aus dem Referat Eingliederungshilfe und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern. Sie stellt die BAGüS-Kennzahlenerhebung 2025 vor und richtet den Blick auf bundesweite Perspektiven bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Anschließend besteht Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion.

Den Abend möchten wir bei gemeinsamem Essen, Musik und viel Raum für Begegnung und Vernetzung ausklingen lassen.

Die Mitgliederversammlung richtet sich ausschließlich an unsere Mitgliedsorganisationen sowie persönlich geladene Gäste.

Die offizielle Einladung mit allen dazugehörigen Unterlagen wird in den kommenden Wochen verschickt.

Rostock zeigt MUT – Aktionstag der MUT-TOUR

Am Mittwoch, den 2. September 2026, macht die MUT-TOUR des Vereins Mut fördern e.V. Halt in Rostock. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, dem Verein EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V. und weiteren regionalen Akteur*innen begleiten wir als Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. den Aktionstag am Kröpeliner Tor.

Unter dem Motto „Rostock zeigt MUT – Gemeinsam irre mutig!“ möchten wir auf psychische Gesundheit aufmerksam machen, Begegnungen ermöglichen und dazu beitragen, offen über psychische Erkrankungen und seelische Krisen ins Gespräch zu kommen.

Ab 14:00 Uhr laden verschiedene Informationsstände dazu ein, lokale Angebote rund um psychische Gesundheit kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Gegen 14:15 Uhr werden die Tandems der MUT-TOUR am Kröpeliner Tor erwartet. Gemeinsam möchten wir die diesjährigen Teilnehmer*innen begrüßen und die Gelegenheit für Austausch und Begegnung nutzen und ein sichtbares Zeichen für Offenheit, Begegnung und einen selbstverständlicheren Umgang mit psychischer Gesundheit setzen.

Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.

Weitere Informationen zur MUT-TOUR gibt es hier.

Rostock zeigt MUT – Einladung zum Aktionstag der MUT-TOUR am 2. September

Am Mittwoch, den 2. September 2026, macht die MUT-TOUR des Vereins Mut fördern e.V. Halt in Rostock. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, dem Verein EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V. und weiteren regionalen Akteur*innen begleiten wir als Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. den Aktionstag am Kröpeliner Tor.

Unter dem Motto „Rostock zeigt MUT – Gemeinsam irre mutig!“ möchten wir auf psychische Gesundheit aufmerksam machen, Begegnungen ermöglichen und dazu beitragen, offen über psychische Erkrankungen und seelische Krisen ins Gespräch zu kommen.

Ab 14:00 Uhr laden verschiedene Informationsstände dazu ein, lokale Angebote rund um psychische Gesundheit kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Gegen 14:15 Uhr werden die Tandems der MUT-TOUR am Kröpeliner Tor erwartet. Gemeinsam möchten wir die diesjährigen Teilnehmer*innen begrüßen und die Gelegenheit für Austausch und Begegnung nutzen.

Wir möchten Sie herzlich einladen, am 2. September in Rostock dabei zu sein und gemeinsam mit uns ein sichtbares Zeichen für Offenheit, Begegnung und einen selbstverständlicheren Umgang mit psychischer Gesundheit zu setzen.

Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. Weitere Informationen zur MUT-TOUR gibt es hier.

Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier:

Fachtagung „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ am 09. September 2026 in Züssow

In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 50.000 Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren sowie etwa 200.000 erwachsene Menschen mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Die psychosoziale Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen ist dabei überwiegend durch ländliche Versorgungsstrukturen mit geringer Bevölkerungsdichte geprägt. Mehr als 60 % der Bevölkerung des Landes lebt in ländlichen und strukturschwachen Regionen mit einer im bundesweiten Vergleich sehr niedrigen Bevölkerungsdichte von etwa 68 Einwohner*innen pro Quadratkilometer.

Obwohl die Prävalenz psychischer Erkrankungen in ländlichen und städtischen Regionen vergleichbar ist, unterscheiden sich die vorhandenen Versorgungsstrukturen erheblich. Der ländliche Raum ist von besonderen sozialen, strukturellen und politischen Rahmenbedingungen geprägt, die den Zugang zu Unterstützungsangeboten erschweren. In vielen ländlichen Gemeinden kann der Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung nicht ausreichend gedeckt werden, da es an passgenauen und differenzierten Angeboten für spezifische Zielgruppen mangelt. Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, für Menschen mit Migrationserfahrungen oder anderen kulturellen Hintergründen sowie für Personen mit spezifischen therapeutischen Behandlungs- und Unterstützungsbedarfen bestehen in Mecklenburg-Vorpommern deutliche Versorgungslücken. Hinzu kommt, dass Bewohner*innen ländlicher Regionen – vor allem in kleinen Gemeinden mit hoher sozialer Transparenz – stärker von Stigmatisierung betroffen sind, was die Inanspruchnahme notwendiger Hilfen zusätzlich erschwert.

Versorgungslücken, Fachkräftemangel, Stigmatisierung und soziale Isolation wirken sich nachhaltig auf die psychische Gesundheit der Menschen vor Ort aus. Gleichzeitig ist eine stabile Demokratie auf soziale Teilhabe, Solidarität und verlässliche Versorgungsstrukturen angewiesen. Aktuelle rechtspopulistische und rechtsextreme politische Strömungen greifen die Folgen der bestehenden Defizite gezielt auf, verstärken die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie anderer gesellschaftlicher Minderheiten und untergraben die Umsetzung einer menschenrechtsorientierten psychosozialen Versorgung.

Vor diesem Hintergrund lädt der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr unter dem Titel „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ zu seiner Jahrestagung im Tagungshotel Ostseeländer, Gustav-Jahn-Str. 6, in 17495 Züssow ein. Ziel der Veranstaltung ist es, zentrale Herausforderungen und Zukunftsfragen sozialpsychiatrischer Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern in den Blick zu nehmen. Die Fachvorträge und Impulsbeiträge thematisieren die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren Zu- und Angehörigen im ländlichen Raum, die prekäre Lage bislang marginalisierter und wenig berücksichtigter Zielgruppen sowie den Zusammenhang zwischen einer stabilen gemeindepsychiatrischen Versorgung, sozialer Teilhabe und demokratischen Prozessen.

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Landtagswahlen werden diese Themen in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen der demokratischen Fraktionen des Landtages Mecklenburg-Vorpommern sowie mit Akteur*innen aus Selbsthilfe und psychosozialer Versorgung vertieft und gemeinsam Perspektiven für die zukünftige Ausgestaltung einer demokratischen, solidarischen und bedarfsgerechten psychosozialen Versorgung entwickelt.

Ergänzend bieten Austauschformate im Anschluss an die Fachvorträge sowie während der gesamten Veranstaltung Raum für Diskussion, Vernetzung und fachlichen Dialog.

Am Vortag der Fachtagung (8. September 2026) findet die Mitgliederversammlung des Landesverbands Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. statt.

Das vollständige Programm mit allen Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.

Suchtwoche vom 15. bis 19. Juni 2026 im Landkreis Vorpommern-Rügen

Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Sucht des Landkreises Vorpommern-Rügen lädt vom 16. bis 18. Juni 2026 zu einer Suchtwoche mit vielfältigen Informations- und Austauschangeboten ein. Die Veranstaltungen richten sich an Fachkräfte, Betroffene, Angehörige sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Den Auftakt bildet am 16. Juni 2026 der Fachvortrag mit Ausstellung „FASD – eine unsichtbare Behinderung sichtbar machen“ im Haus Rügen in Dreschvitz. Referentin ist Conny Kirsten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.

Am 17. Juni 2026 findet in der Klinikumskirche Stralsund der Suchtfachtag unter dem Motto „Wo der Mut beginnt, wachsen Dir Flügel“ statt. Renommierte Referentinnen und Referenten informieren über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Suchthilfe. Auch für diese Veranstaltung wird um Anmeldung gebeten.

Den Abschluss der Suchtwoche bildet am 18. Juni 2026 der Filmabend „Tausche Panikattacken gegen Leberzirrose“ im UC Kino Bergen auf Rügen. Eine Anmeldung ist hierfür nicht erforderlich.

Ergänzend beteiligt sich die Sucht- und Drogenberatungsstelle Stralsund vom 13. bis 21. Juni 2026 mit verschiedenen Aktionen an der bundesweiten Aktionswoche Alkohol 2026.

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Ermöglicht werden sie durch die Unterstützung des Landkreises Vorpommern-Rügen und des Gemeindepsychiatrischen Leistungserbringerverbundes (GPLV). Der Suchtfachtag wird zusätzlich durch das Helios Hanseklinikum Stralsund und die Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten unterstützt.

Weitere Informationen zu Veranstaltungszeiten, Anmeldungen und Ansprechpartner finden Sie in den Veranstaltungsflyern der Organisator*innen.

Stellungnahme gegen Polizeiregister und pauschale Erfassung von psychisch erkrankten Menschen

Stellungnahme gegen Polizeiregister und pauschale Erfassung von psychisch erkrankten Menschen

Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat eine Stellungnahme zu aktuellen sicherheitspolitischen Debatten über Menschen mit psychischen Erkrankungen veröffentlicht.

Hintergrund sind politische Forderungen nach Registern, erweiterten Meldepflichten sowie einem verstärkten Datenaustausch zwischen psychiatrischen Einrichtungen und Sicherheitsbehörden. Anlass hierfür sind öffentliche Debatten nach schweren Gewalttaten in Deutschland, bei denen teilweise psychische Erkrankungen der Täter*innen thematisiert wurden.

Der Landesverband warnt davor, psychische Erkrankungen pauschal mit Gefährlichkeit gleichzusetzen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass psychische Erkrankungen weit verbreitet sind, schwere Gewalttaten jedoch seltene Ereignisse bleiben. Die überwältigende Mehrheit psychisch erkrankter Menschen wird nicht straffällig und ist häufiger selbst von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt betroffen.

Aus Sicht des Landesverbandes drohen pauschale Registrierungs- und Erfassungsmaßnahmen die gesellschaftliche Stigmatisierung weiter zu verstärken, das Vertrauen in psychiatrische und psychosoziale Hilfen zu untergraben und Betroffene davon abzuhalten, frühzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die Stellungnahme betont stattdessen die Bedeutung:

  • einer starken psychosozialen und psychiatrischen Versorgung,
  • gemeindenaher Hilfen,
  • früher Prävention,
  • aufsuchender und niedrigschwelliger Unterstützungsangebote,
  • einer besseren Vernetzung der Hilfesysteme,
  • sowie einer konsequenten Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Gerade in Mecklenburg-Vorpommern erschweren große ländliche Räume, Fachkräftemangel und unzureichend ausgebaute Unterstützungsangebote vielerorts den Zugang zu verlässlicher Hilfe.

Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. setzt sich für eine menschenrechtsorientierte, gemeindenahe und diskriminierungsfreie Psychiatrie ein und fordert eine differenzierte öffentliche Debatte ohne Generalverdacht gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier:

Wechsel in der Leitung des Instituts für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Wechsel in der Institutsleitung des Instituts für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Zum 01. April 2026 hat es einen Wechsel in der Leitung des Instituts für Sozialpsychiatrie des Landes Mecklenburg-Vorpommern e.V. An-Institut der Universitätsmedizin Greifswald e.V. gegeben. Nach vielen Jahren engagierter Tätigkeit beendet Prof. Dr. Ingmar Steinhart seine aktive berufliche Laufbahn und tritt in den Ruhestand ein.

Mit Herrn Prof. Dr. Steinhart verabschiedet das Institut eine prägende Persönlichkeit der Sozialpsychiatrie. Über viele Jahre hinweg hat er die Arbeit des Instituts für Sozialpsychiatrie M-V e.V. mit großem fachlichem Engagement, wissenschaftlicher Expertise und einer klaren menschenrechtsorientierten und gemeindepsychiatrischen Haltung entscheidend mitgestaltet. Sein Wirken hat die sozialpsychiatrische Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern und bundesweit nachhaltig beeinflusst. Für seinen langjährigen Einsatz danken wir ihm sehr herzlich und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und weiterhin viele bereichernde Erfahrungen.

Die Nachfolge als Direktor übernimmt seit dem 01. April 2026 Herr Priv.-Doz. Dr. med. Sven Speerforck. Wir freuen uns sehr, mit Herrn Dr. Speerforck einen ausgewiesenen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie erfahrenen Wissenschaftler für diese Aufgabe gewonnen zu haben.

Dr. Sven Speerforck

Herr Dr. Speerforck ist stellvertretender Klinikdirektor und leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen insbesondere in der Sozialpsychiatrie, Versorgungsforschung, Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen sowie in der Suchtmedizin. Neben seiner klinischen Tätigkeit engagiert er sich seit vielen Jahren wissenschaftlich, gesundheitspolitisch und gesellschaftlich in unterschiedlichen Fachgesellschaften und Forschungsverbünden.

Mit Mecklenburg-Vorpommern und insbesondere mit der Region Greifswald fühlt sich Herr Dr. Speerforck seit vielen Jahren eng verbunden: Er hat selbst 14 Jahre in Greifswald gelebt sowie an der Universitätsmedizin Greifswald studiert und gearbeitet. Dadurch kennt er die Region und ihre sozialpsychiatrischen Versorgungsstrukturen sehr gut und bringt zugleich eine große persönliche Nähe zu Mecklenburg-Vorpommern ein.

Durch seine breite fachliche Expertise, seine wissenschaftliche Vernetzung und sein besonderes Engagement für eine moderne sozialpsychiatrische Versorgung bringt Herr Dr. Speerforck hervorragende Voraussetzungen für die zukünftige Weiterentwicklung des Instituts mit. Eine Übersicht zur Vita und zu den Forschungsschwerpunkten von Herrn Dr. Speerforck finden Sie hier.

Wir vom Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und vom Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. freuen uns auf die Zusammenarbeit und heißen ihn herzlich willkommen.

Junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern psychisch belastet – Fachverband fordert Handeln

Junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern psychisch belastet – Fachverband fordert Handeln

Angststörungen und Depressionen nehmen zu. / Besonders jugendliche Mädchen häufig betroffen.

Rostock – Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern ist weiterhin stark belastet. Aktuelle Daten des DAK-Gesundheitsreports zeigen: Angststörungen, Depressionen und Essstörungen sind seit der Pandemie deutlich angestiegen und verharren auf hohem Niveau. Der Landesverband Sozialpsychiatrie MV fordert die Landespolitik, Kommunen und Leistungsträger daher dazu auf, entschlossen zu handeln und Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um diesen Trend zu brechen.

Seit 2019 stiegen die Diagnosen von Angststörungen um 36 Prozent, Essstörungen um 21 Prozent und Depressionen um 19 Prozent. Besonders betroffen sind Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren – bei ihnen nehmen auch chronische Verläufe deutlich zu.

„Wir erleben keine kurzfristige Krise, sondern eine anhaltende Belastung junger Menschen“, erklärt Karsten Giertz, Geschäftsführer des Landesverbands. „Wenn sich psychische Erkrankungen früh verfestigen, steigen die Risiken für Bildungsabbrüche, soziale Isolation und langfristige gesundheitliche Probleme.“

Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der Betroffenen ohne Hilfe: Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit behandlungsbedürftigen psychischen Problemen nehmen keine Unterstützung in Anspruch – unter anderem wegen fehlender Angebote und Stigmatisierung.

Der Landesverband kritisiert, dass die öffentliche Debatte häufig zu kurz greift. Einseitige Forderungen – etwa nach pauschalen Social-Media-Verboten – würden den komplexen Ursachen psychischer Belastungen nicht gerecht. Stattdessen brauche es umfassende und langfristige Strategien. Der Verband fordert deshalb eine landesweite Gesamtstrategie zur Stärkung der psychischen Gesundheit. Notwendig seien vor allem mehr niedrigschwellige, wohnortnahe Hilfen, mehr Präventionsangebote, eine bessere Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Gesundheitswesen sowie gezielte Unterstützung beim Übergang ins Erwachsenenalter.

Kritisch bewertet der Verband zudem mögliche Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Diese würden die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärfen: „Die psychische Gesundheit junger Menschen ist eine zentrale Zukunftsfrage für Mecklenburg-Vorpommern“, so Giertz. „Es braucht jetzt verlässliche Investitionen und nachhaltige Strukturen.“

Die komplette Stellungnahme finden Sie hier: