Suchtwoche vom 15. bis 19. Juni 2026 im Landkreis Vorpommern-Rügen

Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Sucht des Landkreises Vorpommern-Rügen lädt vom 16. bis 18. Juni 2026 zu einer Suchtwoche mit vielfältigen Informations- und Austauschangeboten ein. Die Veranstaltungen richten sich an Fachkräfte, Betroffene, Angehörige sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Den Auftakt bildet am 16. Juni 2026 der Fachvortrag mit Ausstellung „FASD – eine unsichtbare Behinderung sichtbar machen“ im Haus Rügen in Dreschvitz. Referentin ist Conny Kirsten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.

Am 17. Juni 2026 findet in der Klinikumskirche Stralsund der Suchtfachtag unter dem Motto „Wo der Mut beginnt, wachsen Dir Flügel“ statt. Renommierte Referentinnen und Referenten informieren über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Suchthilfe. Auch für diese Veranstaltung wird um Anmeldung gebeten.

Den Abschluss der Suchtwoche bildet am 18. Juni 2026 der Filmabend „Tausche Panikattacken gegen Leberzirrose“ im UC Kino Bergen auf Rügen. Eine Anmeldung ist hierfür nicht erforderlich.

Ergänzend beteiligt sich die Sucht- und Drogenberatungsstelle Stralsund vom 13. bis 21. Juni 2026 mit verschiedenen Aktionen an der bundesweiten Aktionswoche Alkohol 2026.

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Ermöglicht werden sie durch die Unterstützung des Landkreises Vorpommern-Rügen und des Gemeindepsychiatrischen Leistungserbringerverbundes (GPLV). Der Suchtfachtag wird zusätzlich durch das Helios Hanseklinikum Stralsund und die Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten unterstützt.

Weitere Informationen zu Veranstaltungszeiten, Anmeldungen und Ansprechpartner finden Sie in den Veranstaltungsflyern der Organisator*innen.

Stellungnahme gegen Polizeiregister und pauschale Erfassung von psychisch erkrankten Menschen

Stellungnahme gegen Polizeiregister und pauschale Erfassung von psychisch erkrankten Menschen

Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat eine Stellungnahme zu aktuellen sicherheitspolitischen Debatten über Menschen mit psychischen Erkrankungen veröffentlicht.

Hintergrund sind politische Forderungen nach Registern, erweiterten Meldepflichten sowie einem verstärkten Datenaustausch zwischen psychiatrischen Einrichtungen und Sicherheitsbehörden. Anlass hierfür sind öffentliche Debatten nach schweren Gewalttaten in Deutschland, bei denen teilweise psychische Erkrankungen der Täter*innen thematisiert wurden.

Der Landesverband warnt davor, psychische Erkrankungen pauschal mit Gefährlichkeit gleichzusetzen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass psychische Erkrankungen weit verbreitet sind, schwere Gewalttaten jedoch seltene Ereignisse bleiben. Die überwältigende Mehrheit psychisch erkrankter Menschen wird nicht straffällig und ist häufiger selbst von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt betroffen.

Aus Sicht des Landesverbandes drohen pauschale Registrierungs- und Erfassungsmaßnahmen die gesellschaftliche Stigmatisierung weiter zu verstärken, das Vertrauen in psychiatrische und psychosoziale Hilfen zu untergraben und Betroffene davon abzuhalten, frühzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die Stellungnahme betont stattdessen die Bedeutung:

  • einer starken psychosozialen und psychiatrischen Versorgung,
  • gemeindenaher Hilfen,
  • früher Prävention,
  • aufsuchender und niedrigschwelliger Unterstützungsangebote,
  • einer besseren Vernetzung der Hilfesysteme,
  • sowie einer konsequenten Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Gerade in Mecklenburg-Vorpommern erschweren große ländliche Räume, Fachkräftemangel und unzureichend ausgebaute Unterstützungsangebote vielerorts den Zugang zu verlässlicher Hilfe.

Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. setzt sich für eine menschenrechtsorientierte, gemeindenahe und diskriminierungsfreie Psychiatrie ein und fordert eine differenzierte öffentliche Debatte ohne Generalverdacht gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier:

Wechsel in der Leitung des Instituts für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Wechsel in der Institutsleitung des Instituts für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Zum 01. April 2026 hat es einen Wechsel in der Leitung des Instituts für Sozialpsychiatrie des Landes Mecklenburg-Vorpommern e.V. An-Institut der Universitätsmedizin Greifswald e.V. gegeben. Nach vielen Jahren engagierter Tätigkeit beendet Prof. Dr. Ingmar Steinhart seine aktive berufliche Laufbahn und tritt in den Ruhestand ein.

Mit Herrn Prof. Dr. Steinhart verabschiedet das Institut eine prägende Persönlichkeit der Sozialpsychiatrie. Über viele Jahre hinweg hat er die Arbeit des Instituts für Sozialpsychiatrie M-V e.V. mit großem fachlichem Engagement, wissenschaftlicher Expertise und einer klaren menschenrechtsorientierten und gemeindepsychiatrischen Haltung entscheidend mitgestaltet. Sein Wirken hat die sozialpsychiatrische Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern und bundesweit nachhaltig beeinflusst. Für seinen langjährigen Einsatz danken wir ihm sehr herzlich und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und weiterhin viele bereichernde Erfahrungen.

Die Nachfolge als Direktor übernimmt seit dem 01. April 2026 Herr Priv.-Doz. Dr. med. Sven Speerforck. Wir freuen uns sehr, mit Herrn Dr. Speerforck einen ausgewiesenen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie erfahrenen Wissenschaftler für diese Aufgabe gewonnen zu haben.

Dr. Sven Speerforck

Herr Dr. Speerforck ist stellvertretender Klinikdirektor und leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen insbesondere in der Sozialpsychiatrie, Versorgungsforschung, Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen sowie in der Suchtmedizin. Neben seiner klinischen Tätigkeit engagiert er sich seit vielen Jahren wissenschaftlich, gesundheitspolitisch und gesellschaftlich in unterschiedlichen Fachgesellschaften und Forschungsverbünden.

Mit Mecklenburg-Vorpommern und insbesondere mit der Region Greifswald fühlt sich Herr Dr. Speerforck seit vielen Jahren eng verbunden: Er hat selbst 14 Jahre in Greifswald gelebt sowie an der Universitätsmedizin Greifswald studiert und gearbeitet. Dadurch kennt er die Region und ihre sozialpsychiatrischen Versorgungsstrukturen sehr gut und bringt zugleich eine große persönliche Nähe zu Mecklenburg-Vorpommern ein.

Durch seine breite fachliche Expertise, seine wissenschaftliche Vernetzung und sein besonderes Engagement für eine moderne sozialpsychiatrische Versorgung bringt Herr Dr. Speerforck hervorragende Voraussetzungen für die zukünftige Weiterentwicklung des Instituts mit. Eine Übersicht zur Vita und zu den Forschungsschwerpunkten von Herrn Dr. Speerforck finden Sie hier.

Wir vom Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und vom Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. freuen uns auf die Zusammenarbeit und heißen ihn herzlich willkommen.

Junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern psychisch belastet – Fachverband fordert Handeln

Junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern psychisch belastet – Fachverband fordert Handeln

Angststörungen und Depressionen nehmen zu. / Besonders jugendliche Mädchen häufig betroffen.

Rostock – Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern ist weiterhin stark belastet. Aktuelle Daten des DAK-Gesundheitsreports zeigen: Angststörungen, Depressionen und Essstörungen sind seit der Pandemie deutlich angestiegen und verharren auf hohem Niveau. Der Landesverband Sozialpsychiatrie MV fordert die Landespolitik, Kommunen und Leistungsträger daher dazu auf, entschlossen zu handeln und Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um diesen Trend zu brechen.

Seit 2019 stiegen die Diagnosen von Angststörungen um 36 Prozent, Essstörungen um 21 Prozent und Depressionen um 19 Prozent. Besonders betroffen sind Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren – bei ihnen nehmen auch chronische Verläufe deutlich zu.

„Wir erleben keine kurzfristige Krise, sondern eine anhaltende Belastung junger Menschen“, erklärt Karsten Giertz, Geschäftsführer des Landesverbands. „Wenn sich psychische Erkrankungen früh verfestigen, steigen die Risiken für Bildungsabbrüche, soziale Isolation und langfristige gesundheitliche Probleme.“

Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der Betroffenen ohne Hilfe: Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit behandlungsbedürftigen psychischen Problemen nehmen keine Unterstützung in Anspruch – unter anderem wegen fehlender Angebote und Stigmatisierung.

Der Landesverband kritisiert, dass die öffentliche Debatte häufig zu kurz greift. Einseitige Forderungen – etwa nach pauschalen Social-Media-Verboten – würden den komplexen Ursachen psychischer Belastungen nicht gerecht. Stattdessen brauche es umfassende und langfristige Strategien. Der Verband fordert deshalb eine landesweite Gesamtstrategie zur Stärkung der psychischen Gesundheit. Notwendig seien vor allem mehr niedrigschwellige, wohnortnahe Hilfen, mehr Präventionsangebote, eine bessere Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Gesundheitswesen sowie gezielte Unterstützung beim Übergang ins Erwachsenenalter.

Kritisch bewertet der Verband zudem mögliche Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Diese würden die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärfen: „Die psychische Gesundheit junger Menschen ist eine zentrale Zukunftsfrage für Mecklenburg-Vorpommern“, so Giertz. „Es braucht jetzt verlässliche Investitionen und nachhaltige Strukturen.“

Die komplette Stellungnahme finden Sie hier:

Qualitätsstandards für kontaktbasierte Anti-Stigma-Interventionen

Gemeinsam Vorurteile abbauen – durch echte Begegnung

Stigmatisierung ist ein gesellschaftlicher Prozess, bei dem Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale oder Verhaltensweisen ausgegrenzt und diskriminiert werden. Besonders Menschen mit psychischen Erkrankungen sind davon betroffen – und aktuelle Studien zeigen, dass diese Stigmatisierung in Deutschland in den letzten Jahren sogar zugenommen hat.

Die Folgen sind gravierend: Stigmatisierung beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Zu- und Angehörigen, sondern erschwert auch den Zugang zu notwendigen Hilfs- und Unterstützungsangeboten.

Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. setzt sich daher seit vielen Jahren aktiv für den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung ein. Neben Kampagnen und Aufklärungsarbeit spielen kontaktbasierte Interventionen eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen direkte Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne psychische Erkrankung – und gelten als eine der wirksamsten Methoden zur Entstigmatisierung.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Beteiligung von Erfahrungsexpert*innen, die ihre Perspektiven und Lebensrealitäten einbringen und so authentische Einblicke ermöglichen.

Um diese Arbeit nachhaltig zu stärken, wurden nun Qualitätsstandards für kontaktbasierte Anti-Stigma-Interventionen entwickelt. Sie bieten Orientierung für die Planung, Durchführung und Nachbereitung von kontaktbasierten Anti-Stigma-Interventionen und schaffen die Grundlage für:

  • respektvolle und sichere Begegnungsräume
  • nachhaltigen Abbau von Vorurteilen
  • ein differenziertes und recoveryorientiertes Verständnis psychischer Erkrankungen
  • die Förderung von Gleichberechtigung und Teilhabe

👉 Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen gegen Stigmatisierung – für mehr Verständnis, Offenheit und gesellschaftliche Teilhabe.

Hier finden Sie die Qualitätsstandards zum freien Download:

Rückblick Aktionstag „Herzwald“ am 20. März 2026 im Forstamt Poggendorf

Am Freitag, den 20. März 2026, wurde das Forstamt Poggendorf (Landkreis Vorpommern-Rügen) zum lebendigen Treffpunkt für Begegnung, Engagement und gelebte Inklusion: Über 200 Teilnehmer*innen folgten der Einladung des Landesverbandes Sozialpsychiatrie M-V e.V. und seiner Kooperationspartner zum Aktionstag „Herzwald“. Gemeinsam mit der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern, der Waldstiftung MV, dem SDW Landesverband M-V und Katapult MV entstand ein besonderer Tag, der eindrucksvoll zeigte, wie verbindend Natur und gemeinsames Handeln sein können.

Unter dem Leitgedanken „Der Wald verbindet uns“ wurde deutlich, welche Kraft in diesem besonderen Lebensraum steckt. Über 200 Menschen unterschiedlichster Herkunft, Altersgruppen und Lebenssituationen kamen an diesem Tag zusammen, um gemeinsam Zeit im Wald zu verbringen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Seit 2022 verbindet die Kooperation zwischen Landesforst Mecklenburg-Vorpommern und dem Landesverband Sozialpsychiatrie M-V das Ziel, die gesundheitsfördernde und soziale Wirkung des Waldes erlebbar zu machen – auch in diesem Jahr wurde dieser Anspruch eindrucksvoll mit Leben gefüllt.

Im Mittelpunkt des Aktionstages stand eine große Pflanzaktion zur Erstaufforstung einer ehemaligen Kiesgrube, bei der die Teilnehmenden selbst aktiv wurden und damit ein nachhaltiges Zeichen für Zukunft und Zusammenhalt setzten. Darüber hinaus bot das abwechslungsreiche Programm zahlreiche Möglichkeiten zur Beteiligung und Begegnung:

  • Aktivsein im Wald: Makrele, mobiler Personal Trainer und Gründer von „Makreles Fitnesskutter“, motivierte die Teilnehmenden zu Bewegung in der Natur und zeigte, wie einfach körperliche Aktivität im Wald umgesetzt werden kann.
  • Kreative Naturgestaltung: Sozialpädagogin und Naturmentorin Carola lud dazu ein, mit Naturmaterialien künstlerisch zu arbeiten und neue Ausdrucksformen zu entdecken.
  • Waldküche erleben: Waldpädagogin Steffi von der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern begeisterte mit außergewöhnlichen Snacks direkt aus dem „grünen Vorratsschrank“ des Waldes und vermittelte spannendes Wissen über essbare Pflanzen und Produkte aus dem Wald.

Mit dem „Herzwald“-Aktionstag wurde ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Teilhabe und respektvolles Miteinander in Mecklenburg-Vorpommern gesetzt – und gleichzeitig ein Impuls gegeben, diesen Weg auch in Zukunft weiterzugehen. Ein herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden, Unterstützer*innen und Teilnehmer*innen, die diesen Tag möglich gemacht und mit Leben gefüllt haben.

Rückblick Landesweite Gedenkveranstaltung “ERINNERN, BETRAUERN, WACHRÜTTELN” am 27. Januar 2026 in Wöbbelin und Ludwigslust

Unser Auftrag in der psychosozialen Arbeit aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft

Seit 2008 wird in Mecklenburg-Vorpommern jährlich in der trialogisch organisierten landesweiten Veranstaltungsreihe „ERINNERN, BETRAUERN, WACHRÜTTELN“ der Menschen gedacht, die im Nationalsozialismus aufgrund psychischer Erkrankungen, geistiger oder körperlicher Behinderungen entrechtet, zwangssterilisiert, deportiert oder ermordet wurden. Ihr Schicksal mahnt uns bis heute, Verantwortung zu übernehmen – für ein achtsames, respektvolles und inklusives Miteinander.

Kranzniederlegung auf dem ehemaligen Lagergelände der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin

Mit der Übernahme der Macht am 30. Januar 1933 wurden die rassebiologischen Vorstellungen der Nationalsozialisten zur staatlichen Politik in Deutschland. Bereits ein halbes Jahr später verabschiedete die Regierung das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, auf dessen Grundlage deutsche Erbgesundheitsgerichte bis 1945 über 400.000 Menschen sterilisieren ließen. Die Radikalisierung der NS-Rassenpolitik gipfelte in den „Euthanasie“- Morden an erkrankten und behinderten Menschen. Per 01.09.1939 ermächtigte Adolf Hitler ausgewählte Ärzt*innen, Pfleger*innen und Hebammen zur „Vernichtung lebensunwerten Lebens“. 1940/41 wurden reichsweit über 70.000 Patient*innen aus Nervenheilanstalten, auch aus dem heutigen Mecklenburg-Vorpommern, in sechs Tötungsanstalten ermordet. Zwar wurde diese geheime „Aktion T 4“ im August 1941 eingestellt, doch das Töten ging dezentral in den Anstalten weiter.

Heutigen Forschungen zufolge wurden mindestens 296.000 erkrankte und behinderte Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus bis 1945 ermordet: durch gezielte „Ausmerze“, durch Hungerkost, in den sog. „Kinderfachabteilungen“, wie es sie auch in Schwerin gab. Letztendlich waren die Vergasungsanlagen in den Tötungsanstalten die Erprobungsfelder für die dann einsetzende Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung und anderer Bevölkerungsgruppen und ethnischer Minderheiten.

Gemeinsam mit zahlreichen regionalen und landesweiten Kooperationspartner*innen wie der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, dem Landkreis Ludwiglust-Parchim, der Diakonie Westmecklenburg-Schwerin gGmbH, der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin, dem Verein “Das Boot” Wismar e.V., dem Verein EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V. und dem Kinderzentrum Mecklenburg gGmbH veranstaltete der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. in diesem Jahr die Landesweite Gedenkveranstaltung in Wöbbelin und Ludwigslust. Unter dem Motto „Unser Auftrag in der psychosozialen Arbeit aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft“ wurde der Blick darauf gerichtet, welche Bedeutung dieses historische Erbe für unsere heutige und zukünftige psychosoziale Arbeit hat.

Die Kranzniederlegung und das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus fanden auf dem ehemaligen Lagergelände an der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin statt. Nach der Eröffnung durch Gedenkstättenleiterin Anja Pinnau gingen der Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim Stefan Sternberg und der Kreistagspräsident Ludwiglust-Parchim Olaf Steinberg in ihren Grußworten auf die Bedeutung des historischen Gedenkens und dieser Veranstaltung insbesondere im Zusammenhang mit den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen ein. Sie bedankten sich bei den 150 Teilnehmer*innen, die im Rahmen der Veranstaltung ein Zeichen des Erinnerns und des Engagements für unsere demokratische Grundordnung und die Unverletzlichkeit der Menschenrechte setzen.

Schüler*innen der IGS Bertolt Brecht Schule Schwerin

Nach der religiösen Andacht mit Pastor und Stiftspropst Dr. Ulf Harder in der Stiftskirche Bethlehem in Ludwiglust kamen die Teilnehmer*innen im Festsaal des Stifts Betlehem zu einem gemeinsamen Fachtag zusammen. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Susanne Bowen (Staatssekretärin des Ministeriums für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten MV), Silvio Witt (Bürgerbeauftragter Mecklenburg-Vorpommern), Dr. Ulf Harder (Stift Betlehem, Diakonie Westmecklenburg-Schwerin gGmbH) und Robert Illner (Verein EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V.).

Religiöse Andacht in der Stiftskirche Bethlehem in Ludwigslust mit Pastor und Stiftspropst Dr. Ulf Harder

In einem ersten Fachvortrag ging Dr. Karsten Uhl (Leitung Abteilung Dokumentation und Forschung der KZ-Gedenkstätte Neugamme) auf die ideologischen und gesellschaftlichen Ursprünge der NS-“Euthanasie” ein und stellte dabei auch einen Bezug zum Außenlager Wöbbelin des Konzentrationslagers Neugamme her. Er skizzierte die historischen und ideologischen Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass das eugenische Denken sich im Nationalsozialismus etablieren konnte und die Tötungen von seelisch, körperlich oder geitig beeinträchtigten Kinder und Erwachsenen von medizinischen Fachkräften in Heil- und Pflegeanstalten systematisch umgesetzt wurde.

Michelle “Charly” Storch vom EX-IN Verein Mecklenburg-Vorpommern e.V. ging im Anschluss in ihrem Beitrag auf die positiven Entwicklungen in der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein, die sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nach dem Nationalsozialismus entwickelt und etabliert haben. Trotz der Errungenschaften beispielsweise bei den Rechten von Menschen mit Behinderungen oder der Recoveryorientierung als Leitbild der psychiatrischen Versorgung, wies sie auch auf bestehende Herausforderungen hin, die die soziale und gesellschaftliche Teilhabe sowie eine ganzheitliche Behandlung- und Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen immer noch entgegenstehen. Hierzu zählen unter anderem die bestehende Fragmentierung des psychiatrischen Hilfesystems, fehlende Angebote im Bereich der Prävention oder Barrieren bei den Zugängen von psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Hilfen.

Unter dem Titel “Die Liebe zum Leben” berichtete die Erfahrungsexpertin Undine Gutschow aus Wismar vor dem Hintergrund ihrer eigenen persönlichen Geschichte über die langfristigen psychischen Folgen des Nationalsozialismus auf die nachfolgenden Generationen im Zusammenhang mit transgenerationalen Traumatisierungen und deren persönliche Bewältigung. Zum Abschluss richtete Sandra Rieck (Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.) in einer Videobotschaft den Blick darauf, welche Bedeutung das historische Erbe der NS-“Euthanasie” für unsere heutige und zukünftige psychosoziale Arbeit hat.

Im Namen der Veranstalter*innen bedanken wir uns bei allen Beteiligten, Teilnehmer*innen und Referent*innen für die gelungene Veranstaltung.

Fachtagung „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“

In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 50.000 Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren sowie etwa 200.000 erwachsene Menschen mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Die psychosoziale Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen ist dabei überwiegend durch ländliche Versorgungsstrukturen mit geringer Bevölkerungsdichte geprägt. Mehr als 60 % der Bevölkerung des Landes lebt in ländlichen und strukturschwachen Regionen mit einer im bundesweiten Vergleich sehr niedrigen Bevölkerungsdichte von etwa 68 Einwohner*innen pro Quadratkilometer.

Obwohl die Prävalenz psychischer Erkrankungen in ländlichen und städtischen Regionen vergleichbar ist, unterscheiden sich die vorhandenen Versorgungsstrukturen erheblich. Der ländliche Raum ist von besonderen sozialen, strukturellen und politischen Rahmenbedingungen geprägt, die den Zugang zu Unterstützungsangeboten erschweren. In vielen ländlichen Gemeinden kann der Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung nicht ausreichend gedeckt werden, da es an passgenauen und differenzierten Angeboten für spezifische Zielgruppen mangelt. Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, für Menschen mit Migrationserfahrungen oder anderen kulturellen Hintergründen sowie für Personen mit spezifischen therapeutischen Behandlungs- und Unterstützungsbedarfen bestehen in Mecklenburg-Vorpommern deutliche Versorgungslücken. Hinzu kommt, dass Bewohner*innen ländlicher Regionen – vor allem in kleinen Gemeinden mit hoher sozialer Transparenz – stärker von Stigmatisierung betroffen sind, was die Inanspruchnahme notwendiger Hilfen zusätzlich erschwert.

Versorgungslücken, Fachkräftemangel, Stigmatisierung und soziale Isolation wirken sich nachhaltig auf die psychische Gesundheit der Menschen vor Ort aus. Gleichzeitig ist eine stabile Demokratie auf soziale Teilhabe, Solidarität und verlässliche Versorgungsstrukturen angewiesen. Aktuelle rechtspopulistische und rechtsextreme politische Strömungen greifen die Folgen der bestehenden Defizite gezielt auf, verstärken die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie anderer gesellschaftlicher Minderheiten und untergraben die Umsetzung einer menschenrechtsorientierten psychosozialen Versorgung.

Vor diesem Hintergrund lädt der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr unter dem Titel „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ zu seiner Jahrestagung ein. Ziel der Veranstaltung ist es, zentrale Herausforderungen und Zukunftsfragen sozialpsychiatrischer Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern in den Blick zu nehmen. Die Fachvorträge und Impulsbeiträge thematisieren die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren Zu- und Angehörigen im ländlichen Raum, die prekäre Lage bislang marginalisierter und wenig berücksichtigter Zielgruppen sowie den Zusammenhang zwischen einer stabilen gemeindepsychiatrischen Versorgung, sozialer Teilhabe und demokratischen Prozessen.

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Landtagswahlen werden diese Themen in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen der demokratischen Fraktionen des Landtages Mecklenburg-Vorpommern sowie mit Akteur*innen aus Selbsthilfe und psychosozialer Versorgung vertieft und gemeinsam Perspektiven für die zukünftige Ausgestaltung einer demokratischen, solidarischen und bedarfsgerechten psychosozialen Versorgung entwickelt.

Ergänzend bieten Austauschformate im Anschluss an die Fachvorträge sowie während der gesamten Veranstaltung Raum für Diskussion, Vernetzung und fachlichen Dialog.

Fachtagung „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ am 09. September 2026 in Züssow

In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 50.000 Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren sowie etwa 200.000 erwachsene Menschen mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Die psychosoziale Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen ist dabei überwiegend durch ländliche Versorgungsstrukturen mit geringer Bevölkerungsdichte geprägt. Mehr als 60 % der Bevölkerung des Landes lebt in ländlichen und strukturschwachen Regionen mit einer im bundesweiten Vergleich sehr niedrigen Bevölkerungsdichte von etwa 68 Einwohner*innen pro Quadratkilometer.

Obwohl die Prävalenz psychischer Erkrankungen in ländlichen und städtischen Regionen vergleichbar ist, unterscheiden sich die vorhandenen Versorgungsstrukturen erheblich. Der ländliche Raum ist von besonderen sozialen, strukturellen und politischen Rahmenbedingungen geprägt, die den Zugang zu Unterstützungsangeboten erschweren. In vielen ländlichen Gemeinden kann der Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung nicht ausreichend gedeckt werden, da es an passgenauen und differenzierten Angeboten für spezifische Zielgruppen mangelt. Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, für Menschen mit Migrationserfahrungen oder anderen kulturellen Hintergründen sowie für Personen mit spezifischen therapeutischen Behandlungs- und Unterstützungsbedarfen bestehen in Mecklenburg-Vorpommern deutliche Versorgungslücken. Hinzu kommt, dass Bewohner*innen ländlicher Regionen – vor allem in kleinen Gemeinden mit hoher sozialer Transparenz – stärker von Stigmatisierung betroffen sind, was die Inanspruchnahme notwendiger Hilfen zusätzlich erschwert.

Versorgungslücken, Fachkräftemangel, Stigmatisierung und soziale Isolation wirken sich nachhaltig auf die psychische Gesundheit der Menschen vor Ort aus. Gleichzeitig ist eine stabile Demokratie auf soziale Teilhabe, Solidarität und verlässliche Versorgungsstrukturen angewiesen. Aktuelle rechtspopulistische und rechtsextreme politische Strömungen greifen die Folgen der bestehenden Defizite gezielt auf, verstärken die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie anderer gesellschaftlicher Minderheiten und untergraben die Umsetzung einer menschenrechtsorientierten psychosozialen Versorgung.

Vor diesem Hintergrund lädt der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr unter dem Titel „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ zu seiner Jahrestagung im Tagungshotel Ostseeländer, Gustav-Jahn-Str. 6, in 17495 Züssow ein. Ziel der Veranstaltung ist es, zentrale Herausforderungen und Zukunftsfragen sozialpsychiatrischer Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern in den Blick zu nehmen. Die Fachvorträge und Impulsbeiträge thematisieren die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren Zu- und Angehörigen im ländlichen Raum, die prekäre Lage bislang marginalisierter und wenig berücksichtigter Zielgruppen sowie den Zusammenhang zwischen einer stabilen gemeindepsychiatrischen Versorgung, sozialer Teilhabe und demokratischen Prozessen.

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Landtagswahlen werden diese Themen in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen der demokratischen Fraktionen des Landtages Mecklenburg-Vorpommern sowie mit Akteur*innen aus Selbsthilfe und psychosozialer Versorgung vertieft und gemeinsam Perspektiven für die zukünftige Ausgestaltung einer demokratischen, solidarischen und bedarfsgerechten psychosozialen Versorgung entwickelt.

Ergänzend bieten Austauschformate im Anschluss an die Fachvorträge sowie während der gesamten Veranstaltung Raum für Diskussion, Vernetzung und fachlichen Dialog.

Am Vortag der Fachtagung (8. September 2026) findet die Mitgliederversammlung des Landesverbands Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. statt.

Einen Save-The-Date-Flyer finden Sie hier.

Das finale Programm zur Tagung wird in den nächsten Wochen hier veröffentlicht. 

Aktionstag „Herzwald“ am 20. März 2026 im Forstamt Poggendorf (Landkreis Vorpommern-Rügen)

Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartner*innen wie der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern, der Waldstiftung MV, dem SDW Landesverband M-V und Katapult MV lädt der Landesverband Sozialpsychiatrie M-V e.V. unter dem Titel „Herzwald“ wieder zu einem inklusiven Aktionstag ein. Am Freitag, den 20. März 2026, möchten wir im Forstamt Poggendorf (Landkreis Vorpommern-Rügen) gemeinsam pflanzen, ins Gespräch kommen und ein sichtbares Zeichen für Zusammenhalt, Vielfalt und Miteinander setzen.

Alle wichtigen Informationen zum Ablauf, Programm und zu den Mitwirkungsmöglichkeiten findet ihr hier im Flyer:  

Wir freuen uns sehr, wenn ihr die Einladung weitergebt, eure Netzwerke aktiviert und selbst Teil dieses besonderen Aktionstags werdet.

Anmeldung und Rückfragen bitte direkt an: antje.werner@sozialpsychiatrie-mv.de

Lasst uns gemeinsam im Wald zusammenkommen – für Verbindung, Zuversicht und ein starkes Miteinander in Mecklenburg-Vorpommern.

Herzliche Grüße
Euer Organisationsteam
HERZWALD Aktionstag 2026
Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V.