Psychische Gesundheit, Teilhabe und Demokratie gehören zusammen – neue Stellungnahme zur psychosozialen Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Räumen

Psychische Gesundheit, Teilhabe und Demokratie gehören zusammen – neue Stellungnahme zur psychosozialen Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Räumen

Anlässlich unserer Jahrestagung am 09. September 2026 in Züssow veröffentlicht der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V. seine aktuelle Stellungnahme zur psychiatrischen und psychosozialen Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Räumen.

Unter dem Titel „Psychische Gesundheit, Teilhabe und Demokratie gehören zusammen – Für eine verlässliche psychosoziale Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Räumen“ greifen wir zentrale Herausforderungen für Mecklenburg-Vorpommern auf und formulieren fachpolitische Erwartungen an die zukünftige Gestaltung der Versorgung. Die Stellungnahme steht in engem Zusammenhang mit unserer Jahrestagung „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ am 09. September 2026 in Züssow.

Mecklenburg-Vorpommern ist in besonderer Weise durch ländliche und strukturschwache Regionen geprägt. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung leben in ländlich geprägten Regionen. Lange Wege, eingeschränkte Mobilität, Fachkräftemangel und eine geringere Dichte spezialisierter Angebote können den Zugang zu psychiatrischer und psychosozialer Unterstützung erheblich erschweren.

Aus Sicht des Landesverbandes braucht es deshalb Versorgungsstrukturen, die die besonderen Bedingungen eines Flächenlandes konsequent berücksichtigen. Psychiatrische und psychosoziale Angebote sollten wohnortnah, sozialraumorientiert, vernetzt, flexibel und niedrigschwellig organisiert sein. Aufsuchende Hilfen und digitale Angebote können dabei wichtige Ergänzungen sein, insbesondere wenn große Entfernungen oder eingeschränkte Mobilität den Zugang zu bestehenden Angeboten erschweren. Digitale Unterstützung darf persönliche Beziehungen und unmittelbare Hilfe jedoch nicht ersetzen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der besseren regionalen Vernetzung. Psychiatrie, Psychotherapie, Eingliederungshilfe, Suchthilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie weitere Unterstützungsangebote müssen stärker zusammengedacht werden. Ziel sind verlässliche regionale Unterstützungsketten, in denen Zugänge, Übergänge und Zuständigkeiten verbindlich geklärt sind.

Gleichzeitig spielen soziale Netzwerke vor Ort eine wichtige Rolle. Familien, Nachbarschaften, Vereine, Selbsthilfe, Peer-Unterstützung und ehrenamtliches Engagement können Zugehörigkeit fördern, Isolation entgegenwirken und den Zugang zu professioneller Hilfe erleichtern. Sie können und dürfen professionelle psychiatrische, psychotherapeutische und psychosoziale Hilfen jedoch nicht ersetzen.

Mit unserer Stellungnahme möchten wir außerdem deutlich machen, dass psychische Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe und demokratischer Zusammenhalt eng miteinander verbunden sind. Eine erreichbare, verlässliche und beteiligungsorientierte psychosoziale Versorgung kann Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Teilhabe stärken. Gute psychosoziale Versorgung ist damit auch eine wichtige soziale Infrastruktur für ein demokratisches Gemeinwesen.

Der Landesverband fordert deshalb unter anderem eine langfristige und verbindliche Gesamtstrategie für psychische Gesundheit und sozialpsychiatrische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern, regional angepasste Versorgungskonzepte, verlässlich finanzierte gemeindepsychiatrische und psychosoziale Angebote sowie eine stärkere Beteiligung von Menschen mit eigener Psychiatrie- und Krisenerfahrung, Angehörigen und Selbsthilfe.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.

Weitere Informationen zu unserer Jahrestagung am 09. September 2026 in Züssow finden Sie hier.

21. Wochen der seelischen Gesundheit 2026 in Wismar und Nordwestmecklenburg

„Aufeinander zugehen“ – gemeinsam für psychische Gesundheit, Teilhabe und ein gutes Miteinander

Vom 30. September bis 15. Oktober 2026 finden in der Hansestadt Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg die 21. Wochen der seelischen Gesundheit statt. Unter dem Motto „Aufeinander zugehen“ erwartet Interessierte ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm rund um psychische Gesundheit, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe.

Die Aktionswochen möchten für psychische Gesundheit sensibilisieren, Wissen vermitteln, Vorurteile abbauen und Möglichkeiten der Unterstützung sichtbar machen. Im Mittelpunkt stehen 2026 insbesondere die Themen Angststörungen und Therapie der Sucht. Gleichzeitig greifen die Veranstaltungen zahlreiche weitere Aspekte psychischer Gesundheit und psychosozialer Unterstützung auf.

Das Programm zeigt dabei, wie vielfältig die Zugänge zum Thema sein können. Neben Fachveranstaltungen und Workshops finden unter anderem Filmvorführungen, Gesprächsrunden, Tage der offenen Tür, kreative Angebote, ein inklusives Bowlingturnier, ein Gerontopsychiatrisches Symposium sowie das Mindflow Festival für Jugendliche statt. Alle Veranstaltungen im Rahmen der Wochen der seelischen Gesundheit sind kostenfrei.

Das vollständige Programm finden Sie unter anderem hier:

Videovorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie “Grenzerfahrungen junger Menschen mit gesellschaftlicher Dimension (Teil 2)“

Videovorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie “ Grenzerfahrungen junger Menschen mit gesellschaftlicher Dimension: Wer bin ich? Und wenn ja wie?“ (Teil 2)

An der Universitätsmedizin Hamburg-Eppendorf veranstaltet Thomas Bock jährlich eine Vorlesungsreihe zur Anthropologischen Psychiatrie mit verschiedenen Schwerpunkten. Ziel der Vorlesungsreihe ist, ein menschliches Bild von psychischen Erkrankungen zu vermitteln, sie nicht auf die Abweichung von Normen oder die Folge entgleister Transmitter zu reduzieren. Anlässlich der COVID-19-Pandemie findet seit 2020 die Vorlesungsreihe in digitaler Form statt. Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Irre menschlich Hamburg e.V. und psychenet. Dabei engagieren sich zahlreiche Expert*innen und Psychiatrieerfahrene sowie Angehörige.

Auch im Sommersemester 2026 geht Thomas Bock mit Zu- und Angehörigen, Psychiatrie-Erfahrenen und Praktiker*innen in den Austausch, um über die aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen zu sprechen. Nach dem im ersten Teil “Wer bin ich? Ringen um geeignete Hilfen für junge Menschen” aktuelle Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Belastungen und Erkrankungen sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie besprochen wurden, geht es im Sommersemester 2026 um neue Themen wie Essstörungen, Geschlechtsidentität und Trauer. 

Trauer: Wer bin ich – nach schweren Verlusten?

Verluste gehören zum Leben. Sie völlig vermeiden zu wollen, würde das Leben extrem einengen. Doch die Art, wie wir damit umgehen, kann sehr verschieden sein. Das gilt auch und besonders für junge Menschen. Wie und wo finden wir Trost? Wie können wir auch schwere Verluste verkraften oder sogar daran wachsen? Wieviel Trauer tut gut? Wie finden wir Resonanz, und wie ist Einsamkeit zu vermeiden? Wie lange ist es ein Schutz, wenn unsere Seele auf Durchzug stellt? Ab wann sprechen wir von Depression? Was läuft schief, wenn wir zu schnell diagnostizieren? Welche (Un)Kultur prägt die rasanten Veränderungen im ICD bzgl. der Krankheitswertigkeit von Trauer. Aber wo sind auch positive gesellschaftliche Veränderungen spürbar? Peggy Steinhauser, Diplom-Theologin und Trauerbegleiterin, berichtet von ihren beruflichen Erfahrungen mit Verschiedenheit, Kuno Köllmann, Irre menschlich Hamburg e.V., von seinen sehr vielfältigen und letztlich ermutigenden persönlichen Erlebnissen. Das Gespräch kann helfen, die Verschiedenheit beim Umgang mit Verlusten zu verstehen und zu akzeptieren – familiär und therapeutisch.

Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Peggy Steinhauser und Dr. Kuno Köllmann

Ess-Störung: Wer bin ich – in meinem Körper mit und ohne Gewicht?

Die Mehrzahl der Bewohner:innen von Industrieländern ist übergewichtig – oft eine Folge u.a. von zu viel Konsum und zu wenig Bewegung. Manche leben radikal in die andere Richtung – im Sinne von Askese und Verzicht, vielleicht auch beeinflusst von fragwürdigen Körperbildern und Werbestrategien. Ab wann sprechen wir von Störung? Ab wann wird die Kontrolle von Nahrung zur Gefahr, vielleicht sogar lebensgefährlich? Und welche Funktion hat das ständige Kreisen um dieses Thema? Und da es immer auch um Identität geht: Wer bin ich – mit und ohne Ess-Störung? Gegen wen richtet sich der „Hungerstreik“? Oder das Gegenteil? Ab wann erfordert die Eigendynamik in beide Richtungen Hilfe? Wo ist diese eher ambulant oder stationär? Was wird zum Wendepunkt? Wer entscheidet was? Welche Rolle spielen Angehörige? Wie gehen wir mit Ohnmacht um? Gibt es auch evolutionäre Aspekte, so etwas wie eine Geschichte des Hungerns? Kennen Sie die historische Bedeutung der „heiligen Anorexie“? Bezogen auf heute: Welche gesellschaftlichen Aspekte sind zu beachten – z.B. der enorme Leistungsdruck, die angstvolle Kehrseite angeblich unendlicher Möglichkeiten usw.

Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Dipl.-psych. Susanne Kaut-Reylaender, Sabrina Scharf und Mareen Grether

(Trans)Identität: Wer bin ich – in der Liebe und nach meinem Geschlecht?

Es geht um die Vielfalt und die Freiheit des Liebens: Wen liebe ich? Und als wer tue ich das? Sind wir da frei? Sich selbst liebend anzunehmen ist eine Herausforderung. Auch das eigene Geschlecht zu anziehend zu finden, erscheint in der Pubertät naheliegend. Wenn das geleugnet oder verboten wird, kann Homophobie die Folge sein. – Wir waren immer schon vielfältiger als die „binäre“ Einteilung in Mann und Frau glauben macht. Wenn das akzeptiert wird, kann das heilsam sein, vielleicht sogar den Wunsch entschärfen, anders sein zu wollen. – Liebe ist mehr als Sex. Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität sind unabhängig. – Geschlechtsrollen spielerisch auszutesten, ist für viele eine selbstverständliche Möglichkeit; sich komplett im falschen Film zu fühlen, ist quälend. Niemand sollte damit allein bleiben, Begleitung behutsam und sorgfältig sein. Psychotherapie kann hilfreich sein, aber nicht, wenn sie (wie früher) vorrangig der Normierung dient. Lieselotte Mahler, Chefärztin aus Berlin reflektierte die aktuelle Fachdiskussion in Fachverbänden und Leitlinien. Cornelia Kost kennt beide Seiten und vermittelte v.a. den gesellschaftlichen Diskurs. Michaela Mosteller betreut die SHG Switch und berichtete von dem eigenen Prozess, den sie nicht als „Umwandlung“, sondern als Anpassung empfand. Für die Enkelin ist sie nun „Frau Opa“.

Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Dr. Lieselotte Mahler, Cornelia Kost und Michaela Mosteller

Doppelerfahrung: Wer bin ich – als Therapeut*in mit Psychiatrie-Erfahrung

Als Psychotherapeut*in lerne ich Abstinenz, soll möglichst wenig von mir preisgeben. Genesungs-Begleiter:innen vermitteln Hoffnung und Selbstwirksamkeit, weil ihre Krisenerfahrung transparent ist. Gibt es neben gesunder Distanz auch „gesunde Nähe“? Niemand will eine Konkurrenz der Not oder einen Wettbewerb um den letzten Platz. Aber könnte mehr Krisenfreundlichkeit nicht auch Stress reduzieren – für alle Beteiligten? Könnten wir so indirekt der immer schnelleren Pathologisierung menschlichen Leidens entgegenwirken?


Mit Prof. Dr. Thomas Bock, Dr. Astrid Freisen, Prof. Dr. Sebastian von Peter und Gwen Schulz

Jetzt als Modellstandort bewerben: Familie Löwenmut MV stärkt Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien

Kinder aus psychisch oder suchtbelasteten Familien benötigen frühzeitige, verlässliche und niedrigschwellige Unterstützung, um ihre Entwicklungschancen und ihre psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken. Mit dem landesweiten Modellprojekt „Familie Löwenmut MV – Resilienzförderung und soziale Teilhabe von Kindern aus psychisch und suchtbelasteten Familien“ werden in Mecklenburg-Vorpommern tragfähige Unterstützungsstrukturen geschaffen, die Kitas, Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Sozialpsychiatrie eng miteinander vernetzen.

Das Projekt wird durch den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) sowie das Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert und baut auf dem wissenschaftlich evaluierten Präventionsprogramm Familie Löwenmut auf. Im Mittelpunkt steht ein zehnwöchiges Resilienzprogramm für Vorschulkinder, das im Kita-Alltag durch qualifizierte pädagogische Fachkräfte umgesetzt wird. Dabei werden alle Kinder einer Vorschulgruppe einbezogen – ohne Stigmatisierung einzelner Familien. Ergänzt wird das Konzept durch Elternarbeit sowie die enge Zusammenarbeit mit regionalen Unterstützungsnetzwerken.

Sieben Modellstandorte gesucht

Für die Umsetzung des Projekts werden sieben regionale Modellstandorte in Mecklenburg-Vorpommern gesucht. Bewerben können sich regionale Partnerschaften oder einzelne Einrichtungen, die das Programm gemeinsam mit mindestens einer Kindertagesstätte in ihrem Sozialraum umsetzen möchten.

Die ausgewählten Standorte profitieren von:

  • einer kostenfreien Qualifizierung im Löwenmut-Konzept,
  • kontinuierlicher fachlicher und organisatorischer Begleitung,
  • praxisnahen Materialien für den Kita-Alltag und die Elternarbeit,
  • Unterstützung beim Aufbau und der Weiterentwicklung regionaler Netzwerke sowie
  • einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit den anderen Modellstandorten.

Interessenbekundung bis zum 07. September 2026

Interessierte Einrichtungen und regionale Netzwerke können ihre formlose Interessenbekundung bis zum 07.09.2026 an die regionale Projektkoordinatorin Julia Schreiter senden:

E-Mail: julia.schreiter@sozialpsychiatrie-mv.de

Die Interessenbekundung sollte eine kurze Vorstellung der Einrichtung bzw. der regionalen Partnerschaft sowie Angaben enthalten:

  • warum Sie am Modellprojekt teilnehmen möchten,
  • welche Kita bzw. Kitas beteiligt werden sollen oder bereits als Kooperationspartner zur Verfügung stehen,
  • welche regionalen Netzwerkpartner das Vorhaben unterstützen oder künftig eingebunden werden können.

Im Anschluss finden zwischen September und Mitte Oktober 2026 digitale Kennenlerngespräche statt. Die Auswahl der Modellstandorte erfolgt bis zum 15. Oktober 2026, die Auftaktqualifizierung ist für Anfang Dezember 2026 geplant. Die Umsetzung in den beteiligten Kitas beginnt ab Februar 2027.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier auf der Projektseite oder hier im Flyer.

Fachtagung „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ am 09. September 2026 in Züssow

In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 50.000 Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren sowie etwa 200.000 erwachsene Menschen mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Die psychosoziale Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen ist dabei überwiegend durch ländliche Versorgungsstrukturen mit geringer Bevölkerungsdichte geprägt. Mehr als 60 % der Bevölkerung des Landes lebt in ländlichen und strukturschwachen Regionen mit einer im bundesweiten Vergleich sehr niedrigen Bevölkerungsdichte von etwa 68 Einwohner*innen pro Quadratkilometer.

Obwohl die Prävalenz psychischer Erkrankungen in ländlichen und städtischen Regionen vergleichbar ist, unterscheiden sich die vorhandenen Versorgungsstrukturen erheblich. Der ländliche Raum ist von besonderen sozialen, strukturellen und politischen Rahmenbedingungen geprägt, die den Zugang zu Unterstützungsangeboten erschweren. In vielen ländlichen Gemeinden kann der Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung nicht ausreichend gedeckt werden, da es an passgenauen und differenzierten Angeboten für spezifische Zielgruppen mangelt. Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, für Menschen mit Migrationserfahrungen oder anderen kulturellen Hintergründen sowie für Personen mit spezifischen therapeutischen Behandlungs- und Unterstützungsbedarfen bestehen in Mecklenburg-Vorpommern deutliche Versorgungslücken. Hinzu kommt, dass Bewohner*innen ländlicher Regionen – vor allem in kleinen Gemeinden mit hoher sozialer Transparenz – stärker von Stigmatisierung betroffen sind, was die Inanspruchnahme notwendiger Hilfen zusätzlich erschwert.

Versorgungslücken, Fachkräftemangel, Stigmatisierung und soziale Isolation wirken sich nachhaltig auf die psychische Gesundheit der Menschen vor Ort aus. Gleichzeitig ist eine stabile Demokratie auf soziale Teilhabe, Solidarität und verlässliche Versorgungsstrukturen angewiesen. Aktuelle rechtspopulistische und rechtsextreme politische Strömungen greifen die Folgen der bestehenden Defizite gezielt auf, verstärken die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie anderer gesellschaftlicher Minderheiten und untergraben die Umsetzung einer menschenrechtsorientierten psychosozialen Versorgung.

Vor diesem Hintergrund lädt der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr unter dem Titel „Ländlicher Raum – psychische Gesundheit – Demokratie: Perspektiven für eine starke Gemeinschaft“ zu seiner Jahrestagung im Tagungshotel Ostseeländer, Gustav-Jahn-Str. 6, in 17495 Züssow ein. Ziel der Veranstaltung ist es, zentrale Herausforderungen und Zukunftsfragen sozialpsychiatrischer Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern in den Blick zu nehmen. Die Fachvorträge und Impulsbeiträge thematisieren die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren Zu- und Angehörigen im ländlichen Raum, die prekäre Lage bislang marginalisierter und wenig berücksichtigter Zielgruppen sowie den Zusammenhang zwischen einer stabilen gemeindepsychiatrischen Versorgung, sozialer Teilhabe und demokratischen Prozessen.

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Landtagswahlen werden diese Themen in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen der demokratischen Fraktionen des Landtages Mecklenburg-Vorpommern sowie mit Akteur*innen aus Selbsthilfe und psychosozialer Versorgung vertieft und gemeinsam Perspektiven für die zukünftige Ausgestaltung einer demokratischen, solidarischen und bedarfsgerechten psychosozialen Versorgung entwickelt.

Ergänzend bieten Austauschformate im Anschluss an die Fachvorträge sowie während der gesamten Veranstaltung Raum für Diskussion, Vernetzung und fachlichen Dialog.

Am Vortag der Fachtagung (8. September 2026) findet die Mitgliederversammlung des Landesverbands Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. statt.

Das vollständige Programm mit allen Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.

Suchtwoche vom 15. bis 19. Juni 2026 im Landkreis Vorpommern-Rügen

Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Sucht des Landkreises Vorpommern-Rügen lädt vom 16. bis 18. Juni 2026 zu einer Suchtwoche mit vielfältigen Informations- und Austauschangeboten ein. Die Veranstaltungen richten sich an Fachkräfte, Betroffene, Angehörige sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Den Auftakt bildet am 16. Juni 2026 der Fachvortrag mit Ausstellung „FASD – eine unsichtbare Behinderung sichtbar machen“ im Haus Rügen in Dreschvitz. Referentin ist Conny Kirsten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.

Am 17. Juni 2026 findet in der Klinikumskirche Stralsund der Suchtfachtag unter dem Motto „Wo der Mut beginnt, wachsen Dir Flügel“ statt. Renommierte Referentinnen und Referenten informieren über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Suchthilfe. Auch für diese Veranstaltung wird um Anmeldung gebeten.

Den Abschluss der Suchtwoche bildet am 18. Juni 2026 der Filmabend „Tausche Panikattacken gegen Leberzirrose“ im UC Kino Bergen auf Rügen. Eine Anmeldung ist hierfür nicht erforderlich.

Ergänzend beteiligt sich die Sucht- und Drogenberatungsstelle Stralsund vom 13. bis 21. Juni 2026 mit verschiedenen Aktionen an der bundesweiten Aktionswoche Alkohol 2026.

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Ermöglicht werden sie durch die Unterstützung des Landkreises Vorpommern-Rügen und des Gemeindepsychiatrischen Leistungserbringerverbundes (GPLV). Der Suchtfachtag wird zusätzlich durch das Helios Hanseklinikum Stralsund und die Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten unterstützt.

Weitere Informationen zu Veranstaltungszeiten, Anmeldungen und Ansprechpartner finden Sie in den Veranstaltungsflyern der Organisator*innen.

5. Projektforum KipsFam am 01. Juli 2026 in der Scheune Bollewick

Wie kann eine bedarfsgerechte Versorgung für Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien im ländlichen Raum gelingen – trotz weiter Wege, knapper Angebote und begrenzter Ressourcen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Landesfachstelle KipsFam MV auf ihrem 5. Projektforum am 1. Juli in der Scheune Bollewick. Im Mittelpunkt stehen Chancen und Herausforderungen: Welche Strukturen tragen bereits? Wo bestehen Versorgungslücken? Und welche Ansätze braucht es, um Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien auch außerhalb urbaner Zentren zuverlässig zu erreichen? Um diese Fragen zu beantworten und neue Perspektiven zu eröffnen, wurde ein spannendes Programm vorbereitet, das sowohl fachlichen Input als auch interdisziplinären Austausch vorsieht.

Alle Infos zu Programm und Anmeldung finden Sie hier: https://www.blickauf-kipsfam.de/projektforum

5. Projektforum KipsFam am 01. Juli 2026 in der Scheune Bollewick

Wie kann eine bedarfsgerechte Versorgung für Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien im ländlichen Raum gelingen – trotz weiter Wege, knapper Angebote und begrenzter Ressourcen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Landesfachstelle KipsFam MV auf ihrem 5. Projektforum am 1. Juli in der Scheune Bollewick. Im Mittelpunkt stehen Chancen und Herausforderungen: Welche Strukturen tragen bereits? Wo bestehen Versorgungslücken? Und welche Ansätze braucht es, um Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien auch außerhalb urbaner Zentren zuverlässig zu erreichen? Um diese Fragen zu beantworten und neue Perspektiven zu eröffnen, wurde ein spannendes Programm vorbereitet, das sowohl fachlichen Input als auch interdisziplinären Austausch vorsieht. 

Alle Infos zu Programm und Anmeldung finden Sie hier oder im Flyer:

Das Projekt wird vom europäischen Sozialfond gefördert.

Nächstes Treffen der Landesarbeitsgruppe Partizipation Mecklenburg-Vorpommern am 8. Mai 2026

Bei der Entwicklung, Planung und Evaluation von psychiatrischen und psychosozialen Behandlungs- und Unterstützungsangeboten hat in den letzten Jahren die partizipative Einbeziehung von Menschen mit psychischen Erkrankungen durch Selbsthilfeinitiativen und -bewegungen, durch zunehmende Forschungsaktivitäten sowie durch gesetzliche Reformprozesse wie die UN-Behindertenrechtskonvention und das Bundesteilhabegesetz an Bedeutung gewonnen.

Gerade durch das Bundesteilhabegesetz wurde die gesetzlich verpflichtende Grundlage für Leistungsträger und Leistungserbringer geschaffen, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder mit anderen Behinderungen aktiv und auf gleicher Augenhöhe in die Planung, Durchführung und Evaluation von psychiatrischen und psychosozialen Unterstützungsangeboten einzubeziehen. Zudem ist die partizipative Beteiligung von Menschen mit psychischen Erkrankungen eng mit den Konzepten von Empowerment und Recovery verbunden.

Um die aktive Beteiligung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung sowie die Implementierung von Angeboten des Peer Supportes in Mecklenburg-Vorpommern zu fördern, entwickelten der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., der Verein EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V. und das Diakoniewerk Mecklenburg-Vorpommern e.V. die Initiative der Landesarbeitsgruppe Partizipation Mecklenburg-Vorpommern, welche gemeinsam mit anderen interessierten Kooperationspartner*innen und Verbänden umgesetzt wird.

Am 8. Mai 2026 findet im Peter Weiß Haus, Doberaner Str. 21, 18057 Rostock das nächste Treffen der Landesarbeitsgruppe Partizipation statt. Die Teilnahme ist kostenlos und sowohl in digitaler Form als auch in Präsenzform möglich. Interessierte Personen, Mitarbeiter*innen aus der psychiatrischen Versorgung, Psychiatrieerfahrene und Angehörige von Menschen mit psychischen Erkrankungen sind eingeladen, sich am Austausch innerhalb der Landesarbeitsgruppe zu beteiligen.

Die Einladung mit der Tagesordnung und den Informationen für die Anmeldung finden Sie hier:

Weitere Informationen zur Initiative der Landesarbeitsgruppe Partizipation Mecklenburg-Vorpommern können Sie hier einsehen.

Videovorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie “Wer bin ich? Ringen um geeignete Hilfen für junge Menschen”

An der Universitätsmedizin Hamburg-Eppendorf veranstaltet Thomas Bock jährlich eine Vorlesungsreihe zur Anthropologischen Psychiatrie mit verschiedenen Schwerpunkten. Ziel der Vorlesungsreihe ist, ein menschliches Bild von psychischen Erkrankungen zu vermitteln, sie nicht auf die Abweichung von Normen oder die Folge entgleister Transmitter zu reduzieren. Anlässlich der COVID-19-Pandemie findet seit 2020 die Vorlesungsreihe in digitaler Form statt. Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Irre menschlich Hamburg e.V. und psychenet. Dabei engagieren sich zahlreiche Expert*innen und Psychiatrieerfahrene sowie Angehörige.

Unter dem Motto „Wer bin ich? Ringen um geeignete Hilfen für junge Menschen” geht Thomas Bock im Wintersemester 2025/ 2026 mit Angehörigen, Psychiatrie-Erfahrenen und Praktiker*innen in den Austausch, um über die aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen zu sprechen. Immer mehr jüngere Menschen werden obdachlos, brechen die Schule ab, geraten in Abhängigkeit. Prekäre Bedingungen begrenzen Lebenschancen. Versäumnisse in Kultur und Politik haben nachhaltige Auswirkungen – auch für das Hilfesystem. Was hilft präventiv, was nachhaltig? Kinder- und Jugendpsychiatrie will offen sein für Entwicklung und Trialog, vorsichtig in der Diagnostik und nachhaltig in der Begleitung. Kann sie das halten?

Wer bin ich – ohne Dach überm Kopf? Straßenkinder in Hamburg: Housing First!

Wie kann es sein, dass immer mehr junge Menschen obdachlos werden? Mindestens 150 in Hamburg unter 14, weit mehr ältere Jugendliche! Wie erleben sie diese Situation? Was suchen und brauchen sie? Welche Antworten hat das Hilfesystem? Wer trägt Verantwortung in der Politik? Lärry Beckmann schildert ihre eigenen Erfahrungen als 15-Jährige auf Hamburgs Straßen, wirbt für ein Angebot (z.B. „Momo“), in dem die Betroffenen eine entscheidende Beteiligung und Mitsprache haben. Ronald Prieß, als „Botschafter der Straßenkinder“, und Malte Block, Bereichsleiter eines großen Trägers, belegen mit ihr zusammen die Notwendigkeit und die Chancen eines individuellen, niedrigschwelligen, umfassenden, aber flexiblen Hilfeangebots, dessen Basis ein Wohnungspool ist (Housing First): Vertrauensvorschuss statt Wegsperren. Haltende Beziehung statt Erziehung, Halt statt Ausschluß, Sichern des Grundrechts Wohnen, das auch nach Auslaufen der Hilfen bestehen bleibt. Immer wieder wird auf positive Erfahrungen bestehender Modelle im Ruhrgebiet verwiesen. Folgt Hamburg?

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Lärry Beckmann (Erfahrung mit früher Obdachlosigkeit), Ronald Prieß (Botschafter der Straßenkinder in Hamburg, AK Kinder, Jugend und Bildung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 e.V.) und Malte Block (Housing First).

Wer bin ich – ohne Heimat? Die Erfolgsgeschichte eines jungen Menschen, der alleine aus Afghanistan floh

Geflüchtete stoßen auf zunehmende Vorbehalte. Gesellschaftliche Fehlentwicklungen werden denen zugeschrieben, die aus noch katastrophaleren Verhältnissen fliehen. Was bedeutet es für Junge Menschen, die Heimat aufzugeben und zu fliehen? Was hilft ihnen anzukommen? Was können wir aus Erfolgsgeschichten lernen – über Solidarität, ehrenamtliches Engagement, die Kraft von Normalität und bürokratische Hürden? Was ist Aufgabe des Hilfesystems, was die der Politik?

Ali Sarwary ist mit 15 Jahren alleine aus Afghanistan geflüchtet und auf dem Landweg nach Deutschland gekommen. Er berichtet von vielen Entbehrungen und Konflikten, aber vor allem auch von dem, was gut tat. Ulrike Meyer Timpe hat ihn von Anfang an ehrenamtlich begleitet, sich über Bürokratie geärgert, aber auch Empfangskultur erlebt. Beide erzählen eine Erfolgsgeschichte, die alle politischen Vorbehalte widerlegt. Thomas Bock versucht, auch die professionelle Perspektive der erkrankten Kolleginnen im Blick zu behalten (s. folgende Links).

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Ulrike Meyer Timpe (engagierte Bürgerin) und Ali Sarwary (als 15-Jähriger geflüchtet).

Wer bin ich – ohne Sprache? – Grenzerfahrungen zwischen Schule, Psychiatrie und Jugendhilfe

Wie behalten Junge Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung Ihre Sprachhoheit? Wie finden die beteiligten Institutionen, Schule, Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Familie eine gemeinsame Sprache, um Krisen vor Ort aufzufangen, eine Hospitalisierung wenn möglich zu vermeiden und in jedem Fall den Rückweg ins Leben gut zu begleiten. Imke Neemann, Co-Chefärztin KJP Wilhelmstift, und Markus Schneider, ltd. Psychotherapeut dort, informieren über Erfolge und Perspektiven des „3 für 1 Projekts“, dessen Verstetigung jetzt politisch ansteht. Simon Schultheis war Nutzer und ist jetzt Comoderator des Gruppenangebots „Zu-sich-stehen“, das aus dem Kontext des Trialogs stammt: Mit wem und mit welchen Worten will ich über meine besonderen Erfahrungen sprechen, mit wem und wie nicht? Frau Stephanie Jürgensen ist Leiterin des Zentrums, das mit Bildungsangeboten einspringt, wenn die Rückkehr in die Regelschule noch nicht gelingt. Die Regionalen Beratungs- und Bildungszentren (ReBBZ) unterstützen beide Projekte. Der Dialog thematisiert auch den Stellenwert der äußeren Bedrohung und der Angst um die Welt für die psychische Belastung junger Menschen. Außerdem die subjektive Wirkung von Diagnosen und die Frage ob wir sie inzwischen zu schnell benutzen.

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Imke Neemann (Chefärztin KJPP Wilhelmstift, 3 für 1 Projekt), Markus Schneider (Leitender Psychotherapeut KJPP Wilhelmstift), Stephanie Jürgensen (Gesamtleitung des Bildungs- und Beratungszentrums Pädagogik bei Krankheit / Autismus) und Simon Schultheiss (Irre menschlich Hamburg e.V.).

Wer bin ich – ohne Diagnose? Forderungen der Schülerkammern zur Prävention an Schulen

Immer mehr junge Menschen verstehen sich als psychisch krank. Ist das ein Fortschritt, weil die Schwelle sinkt, sich Hilfe zu holen? Oder laufen wir Gefahr, Lebenskrisen zu pathologisieren. Inzwischen gibt es bereit einzelne Oberstufen-Klassen, in denen man sich rechtfertigen muss, keine Diagnose bzw. keine/n Psychotherapeuten/in zu haben. Frau Prof. Hohmann, Chefin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE warnt vor einer Politik, die die Belange junger Menschen hintanstellt und deren Sorgen an die Psychiatrie delegiert. Die psychische Belastung von Schüler:innen hat zugenommen, wie Schulbarometer und COPSY Studie belegen. Die Schule trägt selbst dazu bei und hilft wenig, sich zu schützen, beklagen Lea Höckel und Manuel Petersen von der Schülerkammer Hamburg. Auf der Bundesschülerkonferenz starteten alle Schülerkammern die Kampagne „Uns geht es gut?“ Zu den zehn Hauptforderungen gehören mehr Vermittlung von Gesundheits- und Medienkompetenz, mehr Ruhepausen und Rückzugsräume sowie mehr Schul-Psycholog:innen und -Sozialarbeiter:innen. Prävention mag Geld kosten, aber sie ist eine Investition in die Zukunft – so der gemeinsame Konsens.

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Prof. Dr. Sarah Hohmann, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie im UKE Hamburg, Lea Höckel und Manuel Petersen (beide Vorstandsmitglieder der Schüler:innenkammer Hamburg).

Trialogischer Rückblick – Was hilft präventiv, was nachhaltig?

Wer nimmt wahr? Wer schaut weg? Wer trägt Verantwortung? Spielen Politik und Psychiatrie Schwarzer Peter? Oder Mikado? Ist Kinder- und Jugendpsychiatrie immer auch Sozialpsychiatrie?

Trialogische Reflexion mit Gwen Schulz, Dr. Sabine Schütze und Marion Ryan.

„Himmel, der nirgendwo endet“ – Zu Marlen Haushofers Kindheitsroman

Bekannt und berühmt wurde Marlen Haushofer (1920 – 1970) mit ihrem Roman „Die Wand“ (auch durch die spätere Verfilmung mit Martina Gedeck): Eine Frau, abgeschottet in den Bergen hinter einer gläsernen Wand, nur mit ein paar Tieren lebend, kämpft ums Überleben. Dieser Roman hat viele Menschen verstört und berührt. Ebenso berührend ist ihr nach der „Wand“ erschienener Roman „Himmel, der nirgendwo endet“. (1966). Sie erzählt darin vom Heranwachsen eines Mädchens namens Meta, von ihrer magischen kindlichen Weltsicht und ihren Sorgen und Nöten in der Pubertät. Im Abschluss der Vorlesungsreihe über Identität von Kindern und Jugendlichen stellen wir diesen (teils autobiographischen) Roman vor und berichten aus dem stillen Leben der Autorin Marlen Haushofer. Eine Lesung von Dr. Torsten Flögel und Verena Kammerer, Berlin, mit Ausschnitten aus Werken Marlen Haushofers, erschienen beim Ullstein Buchverlag, Berlin

Aus der Reihe „SEELENLESE:N im Grenzbereich von Psychiatrie und Literatur“