Videovorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie “Wer bin ich? Ringen um geeignete Hilfen für junge Menschen”

An der Universitätsmedizin Hamburg-Eppendorf veranstaltet Thomas Bock jährlich eine Vorlesungsreihe zur Anthropologischen Psychiatrie mit verschiedenen Schwerpunkten. Ziel der Vorlesungsreihe ist, ein menschliches Bild von psychischen Erkrankungen zu vermitteln, sie nicht auf die Abweichung von Normen oder die Folge entgleister Transmitter zu reduzieren. Anlässlich der COVID-19-Pandemie findet seit 2020 die Vorlesungsreihe in digitaler Form statt. Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Irre menschlich Hamburg e.V. und psychenet. Dabei engagieren sich zahlreiche Expert*innen und Psychiatrieerfahrene sowie Angehörige.

Unter dem Motto „Wer bin ich? Ringen um geeignete Hilfen für junge Menschen” geht Thomas Bock im Wintersemester 2025/ 2026 mit Angehörigen, Psychiatrie-Erfahrenen und Praktiker*innen in den Austausch, um über die aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen zu sprechen. Immer mehr jüngere Menschen werden obdachlos, brechen die Schule ab, geraten in Abhängigkeit. Prekäre Bedingungen begrenzen Lebenschancen. Versäumnisse in Kultur und Politik haben nachhaltige Auswirkungen – auch für das Hilfesystem. Was hilft präventiv, was nachhaltig? Kinder- und Jugendpsychiatrie will offen sein für Entwicklung und Trialog, vorsichtig in der Diagnostik und nachhaltig in der Begleitung. Kann sie das halten?

Wer bin ich – ohne Dach überm Kopf? Straßenkinder in Hamburg: Housing First!

Wie kann es sein, dass immer mehr junge Menschen obdachlos werden? Mindestens 150 in Hamburg unter 14, weit mehr ältere Jugendliche! Wie erleben sie diese Situation? Was suchen und brauchen sie? Welche Antworten hat das Hilfesystem? Wer trägt Verantwortung in der Politik? Lärry Beckmann schildert ihre eigenen Erfahrungen als 15-Jährige auf Hamburgs Straßen, wirbt für ein Angebot (z.B. „Momo“), in dem die Betroffenen eine entscheidende Beteiligung und Mitsprache haben. Ronald Prieß, als „Botschafter der Straßenkinder“, und Malte Block, Bereichsleiter eines großen Trägers, belegen mit ihr zusammen die Notwendigkeit und die Chancen eines individuellen, niedrigschwelligen, umfassenden, aber flexiblen Hilfeangebots, dessen Basis ein Wohnungspool ist (Housing First): Vertrauensvorschuss statt Wegsperren. Haltende Beziehung statt Erziehung, Halt statt Ausschluß, Sichern des Grundrechts Wohnen, das auch nach Auslaufen der Hilfen bestehen bleibt. Immer wieder wird auf positive Erfahrungen bestehender Modelle im Ruhrgebiet verwiesen. Folgt Hamburg?

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Lärry Beckmann (Erfahrung mit früher Obdachlosigkeit), Ronald Prieß (Botschafter der Straßenkinder in Hamburg, AK Kinder, Jugend und Bildung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 e.V.) und Malte Block (Housing First).

Wer bin ich – ohne Heimat? Die Erfolgsgeschichte eines jungen Menschen, der alleine aus Afghanistan floh

Geflüchtete stoßen auf zunehmende Vorbehalte. Gesellschaftliche Fehlentwicklungen werden denen zugeschrieben, die aus noch katastrophaleren Verhältnissen fliehen. Was bedeutet es für Junge Menschen, die Heimat aufzugeben und zu fliehen? Was hilft ihnen anzukommen? Was können wir aus Erfolgsgeschichten lernen – über Solidarität, ehrenamtliches Engagement, die Kraft von Normalität und bürokratische Hürden? Was ist Aufgabe des Hilfesystems, was die der Politik?

Ali Sarwary ist mit 15 Jahren alleine aus Afghanistan geflüchtet und auf dem Landweg nach Deutschland gekommen. Er berichtet von vielen Entbehrungen und Konflikten, aber vor allem auch von dem, was gut tat. Ulrike Meyer Timpe hat ihn von Anfang an ehrenamtlich begleitet, sich über Bürokratie geärgert, aber auch Empfangskultur erlebt. Beide erzählen eine Erfolgsgeschichte, die alle politischen Vorbehalte widerlegt. Thomas Bock versucht, auch die professionelle Perspektive der erkrankten Kolleginnen im Blick zu behalten (s. folgende Links).

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Ulrike Meyer Timpe (engagierte Bürgerin) und Ali Sarwary (als 15-Jähriger geflüchtet).

Wer bin ich – ohne Sprache? – Grenzerfahrungen zwischen Schule, Psychiatrie und Jugendhilfe

Wie behalten Junge Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung Ihre Sprachhoheit? Wie finden die beteiligten Institutionen, Schule, Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Familie eine gemeinsame Sprache, um Krisen vor Ort aufzufangen, eine Hospitalisierung wenn möglich zu vermeiden und in jedem Fall den Rückweg ins Leben gut zu begleiten. Imke Neemann, Co-Chefärztin KJP Wilhelmstift, und Markus Schneider, ltd. Psychotherapeut dort, informieren über Erfolge und Perspektiven des „3 für 1 Projekts“, dessen Verstetigung jetzt politisch ansteht. Simon Schultheis war Nutzer und ist jetzt Comoderator des Gruppenangebots „Zu-sich-stehen“, das aus dem Kontext des Trialogs stammt: Mit wem und mit welchen Worten will ich über meine besonderen Erfahrungen sprechen, mit wem und wie nicht? Frau Stephanie Jürgensen ist Leiterin des Zentrums, das mit Bildungsangeboten einspringt, wenn die Rückkehr in die Regelschule noch nicht gelingt. Die Regionalen Beratungs- und Bildungszentren (ReBBZ) unterstützen beide Projekte. Der Dialog thematisiert auch den Stellenwert der äußeren Bedrohung und der Angst um die Welt für die psychische Belastung junger Menschen. Außerdem die subjektive Wirkung von Diagnosen und die Frage ob wir sie inzwischen zu schnell benutzen.

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Imke Neemann (Chefärztin KJPP Wilhelmstift, 3 für 1 Projekt), Markus Schneider (Leitender Psychotherapeut KJPP Wilhelmstift), Stephanie Jürgensen (Gesamtleitung des Bildungs- und Beratungszentrums Pädagogik bei Krankheit / Autismus) und Simon Schultheiss (Irre menschlich Hamburg e.V.).

Wer bin ich – ohne Diagnose? Forderungen der Schülerkammern zur Prävention an Schulen

Immer mehr junge Menschen verstehen sich als psychisch krank. Ist das ein Fortschritt, weil die Schwelle sinkt, sich Hilfe zu holen? Oder laufen wir Gefahr, Lebenskrisen zu pathologisieren. Inzwischen gibt es bereit einzelne Oberstufen-Klassen, in denen man sich rechtfertigen muss, keine Diagnose bzw. keine/n Psychotherapeuten/in zu haben. Frau Prof. Hohmann, Chefin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE warnt vor einer Politik, die die Belange junger Menschen hintanstellt und deren Sorgen an die Psychiatrie delegiert. Die psychische Belastung von Schüler:innen hat zugenommen, wie Schulbarometer und COPSY Studie belegen. Die Schule trägt selbst dazu bei und hilft wenig, sich zu schützen, beklagen Lea Höckel und Manuel Petersen von der Schülerkammer Hamburg. Auf der Bundesschülerkonferenz starteten alle Schülerkammern die Kampagne „Uns geht es gut?“ Zu den zehn Hauptforderungen gehören mehr Vermittlung von Gesundheits- und Medienkompetenz, mehr Ruhepausen und Rückzugsräume sowie mehr Schul-Psycholog:innen und -Sozialarbeiter:innen. Prävention mag Geld kosten, aber sie ist eine Investition in die Zukunft – so der gemeinsame Konsens.

Prof. Dr. Thomas Bock im Gespräch mit Prof. Dr. Sarah Hohmann, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie im UKE Hamburg, Lea Höckel und Manuel Petersen (beide Vorstandsmitglieder der Schüler:innenkammer Hamburg).

Trialogischer Rückblick – Was hilft präventiv, was nachhaltig?

Wer nimmt wahr? Wer schaut weg? Wer trägt Verantwortung? Spielen Politik und Psychiatrie Schwarzer Peter? Oder Mikado? Ist Kinder- und Jugendpsychiatrie immer auch Sozialpsychiatrie?

Trialogische Reflexion mit Gwen Schulz, Dr. Sabine Schütze und Marion Ryan.

„Himmel, der nirgendwo endet“ – Zu Marlen Haushofers Kindheitsroman

Bekannt und berühmt wurde Marlen Haushofer (1920 – 1970) mit ihrem Roman „Die Wand“ (auch durch die spätere Verfilmung mit Martina Gedeck): Eine Frau, abgeschottet in den Bergen hinter einer gläsernen Wand, nur mit ein paar Tieren lebend, kämpft ums Überleben. Dieser Roman hat viele Menschen verstört und berührt. Ebenso berührend ist ihr nach der „Wand“ erschienener Roman „Himmel, der nirgendwo endet“. (1966). Sie erzählt darin vom Heranwachsen eines Mädchens namens Meta, von ihrer magischen kindlichen Weltsicht und ihren Sorgen und Nöten in der Pubertät. Im Abschluss der Vorlesungsreihe über Identität von Kindern und Jugendlichen stellen wir diesen (teils autobiographischen) Roman vor und berichten aus dem stillen Leben der Autorin Marlen Haushofer. Eine Lesung von Dr. Torsten Flögel und Verena Kammerer, Berlin, mit Ausschnitten aus Werken Marlen Haushofers, erschienen beim Ullstein Buchverlag, Berlin

Aus der Reihe „SEELENLESE:N im Grenzbereich von Psychiatrie und Literatur“

Kostenlose Online-Fachtagung: Einsamkeit im Fokus – Einsamkeitsphänomene in der Sozialen Arbeit erkennen und ihnen professionell begegnen am 12. Mai 2026

Weltweit klagen 20 Prozent aller Menschen über schwer auszuhaltende Erfahrungen von Einsamkeit. Darunter verstehen wir einen subjektiv wahrgenommenen Mangel an quantitativen und / oder qualitativen Aspekten eigener sozialer Beziehungen. Einsamkeit wirkt sich negative auf die Gesundheit und das Wohlbefinden aus. Vor allem im Kontext der andauernden Unsicherheit durch gesellschaftliche Krisen und der damit einhergehenden Auflösung sozialer und politischer Strukturen hat Einsamkeit zahlreiche Facetten angenommen, die über die Lebensspanne hinausgehen. Mittlerweile sind zahlreiche Einsamkeitsphänomene bekannt, beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie, bei Menschen mit depressiven Erkrankungen, bei gesellschaftlichen Minderheiten im Zuge der zunehmenden Stigmatisierung und Ausgrenzung oder im Alter. Trotz zahlreicher Erkenntnisse über ihre Folgen wird die Bedeutung von Einsamkeit für ein gesundes Leben in der Bevölkerung immer noch relativiert.

Daher lädt das European Centre for Clinical Social Work e.V. (ECCSW) am 12. Mai 2026 unter dem Motto „Einsamkeit im Fokus – Einsamkeitsphänomene in der Sozialen Arbeit erkennen und ihnen professionell begegnen“ zu einer kostenfreien Onlinefachtagung ein. Dabei sollen die gesundheitlichen Auswirkungen von Einsamkeit in der Bevölkerung und bei verschiedenen Zielgruppen der Sozialen Arbeit im Fokus stehen. Gleichzeitig werden Strategien und Interventionsformen aufgezeigt, um Einsamkeitsphänomene rechtzeitig zu erkennen und ihnen professionell zu begegnen. Die Fachtagung findet in Kooperation mit der Hochschule Campus Wien, dem Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit, der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit in der Suchthilfe e.V., der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V., dem Schweizerischen Fachverband für gesundheitsbezogene Soziale Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit e.V. statt.

Alle Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

Aktionstag „Herzwald“ am 20. März 2026 im Forstamt Poggendorf (Landkreis Vorpommern-Rügen)

Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartner*innen wie der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern, der Waldstiftung MV, dem SDW Landesverband M-V und Katapult MV lädt der Landesverband Sozialpsychiatrie M-V e.V. unter dem Titel „Herzwald“ wieder zu einem inklusiven Aktionstag ein. Am Freitag, den 20. März 2026, möchten wir im Forstamt Poggendorf (Landkreis Vorpommern-Rügen) gemeinsam pflanzen, ins Gespräch kommen und ein sichtbares Zeichen für Zusammenhalt, Vielfalt und Miteinander setzen.

Alle wichtigen Informationen zum Ablauf, Programm und zu den Mitwirkungsmöglichkeiten findet ihr hier im Flyer:  

Wir freuen uns sehr, wenn ihr die Einladung weitergebt, eure Netzwerke aktiviert und selbst Teil dieses besonderen Aktionstags werdet.

Anmeldung und Rückfragen bitte direkt an: antje.werner@sozialpsychiatrie-mv.de

Lasst uns gemeinsam im Wald zusammenkommen – für Verbindung, Zuversicht und ein starkes Miteinander in Mecklenburg-Vorpommern.

Herzliche Grüße
Euer Organisationsteam
HERZWALD Aktionstag 2026
Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Neue Ausgabe des Newsletters der Landesfachstelle: KipsFam

Hinter dem Team der Landesfachstelle: Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien (KipsFam) liegt ein Jahr voller spannender Eindrücke, inspirierender Gespräche, eindrucksvoller Termine und bewegender Momente. Mit 2025 endet auch der erste Förderzeitraum der Landesfachstelle KipsFam. In der aktuellen Ausgabe des ihres Newsletters Blickpost blicken die Mitarbeiter*innen der Landesfachstelle: KipsFam zurück auf die drei erfolgreichen Jahre, in denen die Landesfachstelle Kindern aus psychisch und suchtbelasteten Familien in Mecklenburg-Vorpommern eine Stimme geben konnte und zahlreiche Angebote begleitet und vernetzt hat. Im nächsten Jahr startet die Landesfachstelle: KipsFam kraftvoll in eine neue Förderperiode. Dabei fokussieren die Mitarbeiter*innen sich noch stärker auf zielgruppenspezifische Angebote und weitere Wege der Unterstützung wie Selbsthilfe und Patenschaften. Das große Ziel der Landesfachstelle ist es, die Stigmatisierung von Eltern mit einer psychischen Erkrankung und von Kindern aus Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil mit einem klaren Konzept und kreativen Maßnahmen weiter abzubauen. 

Die neue BlickPost können sie hier frei herunterladen und abonnieren.

Kostenlose Online-Fortbildung „Unterstützung für Jugendliche in psychischen Krisen: Einführung in das Gruppentrainingsprogramm “Grown”“ am 18. November 2025

In Zeiten von multiplen Krisen wie in der heutigen leiden Jugendliche und junge Erwachsene besonders häufig an psychischen Belastungen und Erkrankungen. Zudem haben sie aufgrund der psychischen Beeinträchtigungen oder Suchterkrankungen weniger Chancen, ihre Entwicklungsaufgaben im Übergang zum Erwachsenenalter zu bewältigen.

Zur Unterstützung von Jugendlichen in psychischen Krisen wurde das Gruppentrainingsprogramm „Grown“ entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein niedrigschwelliges manualisiertes Programm, das Jugendliche bei der Bewältigung von psychischen Krisen und am Übergangs- oder Transitionsprozess unterstützt sowie die Partizipation, Selbstbestimmung und Mentalisierungsfähigkeit der jungen Menschen aktiv fördert. Im Rahmen der Online-Fortbildung lernen die Teilnehmer*innen die Grundlagen, kostenlosen Materialien und Umsetzung des Gruppenprogrammes kennen.

Die Online-Fortbildung ist ein kostenloses Angebot, das sich an alle Mitarbeitenden der Mitgliedsorganisationen und an alle Mitglieder der Landesarbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Adoleszenzpsychiatrie des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. richtet.

Alle Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

Die Woche der Seelische Gesundheit 2025 in Mecklenburg-Vorpommern: Alle Veranstaltungen in allen Regionen

Die diesjährige Aktionswoche „Seelische Gesundheit“ stehen unter dem Motto „Lass Zuversicht wachsen – Psychisch stark in die Zukunft” und finden vom 10. bis 20. Oktober in ganz Deutschland statt.

Die Woche der Seelischen Gesundheit möchte auf die unterschiedlichen Strategien zur Bewältigung und auf das vielfältige psychosoziale Hilfsangebot in Deutschland aufmerksam machen sowie zum gemeinsamen Austausch und gegenseitiger Unterstützung aufrufen.

Jährlich finden über 800 Events regional vor Ort und online. Ob Vorträge, Workshops, Podcasts oder Kunstausstellungen – alle sind eingeladen, bei verschiedenen Veranstaltungsformaten und Aktionstagen die kleinen und großen Angebote der psychiatrischen und psychosozialen Einrichtungen in ihrer Umgebung kennenzulernen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern finden in vielen Regionen zahlreiche kostenfreie Veranstaltungen statt. Einen Überblick zu allen Aktionswochen in den Landkreisen und kreisfreien Städten in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie hier:

Veranstaltungsreihe „SeelenZeit auf dem Lande“ vom 07. bis 10. Oktober 2025 im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Im Rahmen der bundesweiten Woche der Seelischen Gesundheit vom 10. bis 20. Oktober startet der Gemeindepsychiatrische Verbund (GPV) Mecklenburgische Seenplatte ein modellhaftes neues Format, das älteren Menschen in ländlichen Regionen gezielt niedrigschwellige Angebote zu seelischer Gesundheit, Prävention und Beratung zugänglich machen soll.

Das Ziel ist, Menschen in höherem Lebensalter, in ihrer Lebenswelt abzuholen und für wichtige Themen wie Einsamkeit, seelische Gesundheit im Alter, Pflege, Medikamentensucht oder Alltagsbewältigung zu sensibilisieren – mit einem offenen, freundlichen Veranstaltungsformat in vertrauter Umgebung. Gleichzeitig werden auch Gesundheitschecks (Blutdruckmessung, Pulsmessung, Seh- und Hörtests) angeboten.

Die „SeelenZeit auf dem Lande“ soll ein Tag zum Auftanken, Informieren und Innehalten sein. Für die Menschen, ihre Gesundheit und ihre Seele. Die Aktion „SeelenZeit auf dem Lande“ findet an folgenden Orten statt:

07. Oktober in Faulenrost,

08. Oktober in Beseritz und

09. Oktober in Bollewick 

Am Abend des 09. Oktober um 17:00 Uhr liest die Autorin Luise Müller aus ihrem Buch „Der Tag, der mein Leben veränderte“ in der Regionalbibliothek Neubrandenburg. Der Eintritt zur Lesung ist frei.

Alle Informationen finden Sie hier.

20. Wochen der seelischen Gesundheit in der Hansestadt Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg vom 10. bis 20. Oktober 2025

Anlässlich der bundesweiten Aktionswochen der seelischen Gesundheit finden vom 10. bis 20. Oktober unter dem Motto „Aufeinander zugehen“ in diesem Jahr die 20. Wochen der seelischen Gesundheit in der Hansestadt Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg statt.

Zahlreiche Vereine, Organisationen und Selbsthilfeinitiativen aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg und aus der Hansestadt Wismar wollen im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe das Bewusstsein für psychische Erkrankungen stärken und auf die Belange von Menschen mit psychischer Erkrankung öffentlich aufmerksam machen. Neben Fachveranstaltungen oder Lesungen zum Thema psychische Gesundheit und Erkrankungen werden unterschiedliche regionale Angebote von Therapien und psychosozialer Begleitung für Menschen mit psychischen Erkrankungen, Demenzerkrankungen oder mit Suchterkrankungen sowie zahlreiche Selbsthilfeinitiativen vorgestellt.

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier:

Rückblick Festveranstaltung und Fachtagung zum 30-jährigen Jubiläum des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. am 14. und 15. Mai 2025 in Schwerin

30 Jahre Einsatz für psychische Gesundheit – Der Landesverband Sozialpsychiatrie MV e.V. feiert sein Jubiläum am 14. Mai 2025 in Schwerin

Blick in den Festsaal im Hotel Elefant

Seit drei Jahrzehnten engagiert sich der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Gegründet 1995, setzt sich der Verband zusammen aus Organisationen, Vereinen und Institutionen, die in Mecklenburg-Vorpommern Menschen mit psychischen Erkrankungen beraten, behandeln und unterstützen. Ziel ist des Verbandes ist es, die psychiatrische und psychosoziale Versorgung weiterzuentwickeln und die Lebensbedingungen von psychisch belasteten Menschen und ihren Angehörigen zu verbessern. “Wir sind stolz auf unsere 30-jährige Geschichte, in der wir uns als unabhängiger Fachverband in Mecklenburg-Vorpommern etablieren und Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Stimme geben konnten”, sagt Vorstandsvorsitzende Sandra Rieck. „Diesen Auftrag nehmen wir auch in Zukunft ernst, besonders vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention, der zunehmenden gesellschaftlichen Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie der drohenden Ausgrenzung durch Kosteneinsparrungen im Sozial- und Gesundheitswesen.“

Sandra Rieck (Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes Sozialpsychiatrie MV e.V.) & Karsten Giertz (Geschäftsführer des Landesverbandes Sozialpsychiatrie MV e.V.) bei der Begrüßung der Gäste.

Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, setzt der Verband mit der Unterstützung von zahlreichen Kooperationspartner*innen, verschiedene Initiativen und Projekte um. So erinnert seit 2008 jährlich am 27. Januar eine landesweite Gedenkveranstaltung an die Opfer der NS-Euthanasie. Ein Psychiatriewegweiser unterstützt Menschen mit psychischen Erkrankungen bei der Suche nach geeigneten Hilfsangeboten in Mecklenburg-Vorpommern. Um Kinder aus psychisch belasteten Familien zu stärken, wurde 2023 die Landesfachstelle KipsFam gegründet. Der Verband beteiligt sich zudem an dem Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“, das Schulkinder über psychische Gesundheit aufklärt, und schult Laien mit dem Kurs „Mental Health First Aid“ in der Ersten Hilfe bei psychischen Krisen.

Im Rahmen einer Festveranstaltung wurde das Jubiläum am 14. Mai 2025 im Hotel Elefant in Schwerin gefeiert. Zahlreiche Mitglieder, Gäste und langjährige Weggefährten des Verbandes beteiligten sich an dem Festakt. In ihren Grußworten gingen Nils Greve (Vorstandsvorsitzende des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie e.V.), Dr. Rainer Kirchhefer (Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg) sowie Dr. Antonia Kowe (Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport) auf die Bedeutung des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. für die psychiatrische und psychosoziale Versorgung von Mecklenburg-Vorpommern ein. Zudem gaben Sandra Rieck (Vorstandsvorsitzende und Gründungsmitglied des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.), Frank Hammerschmidt (Projektmitarbeiter Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.) und Dr. Michael Köpcke (ehemalige Leitung des Referates Psychiatrie, Maßregelvollzug, Sucht und Prävention des Gesundheitsministeriums Mecklenburg-Vorpommern) einen Überblick zur dreißigjährigen Geschichte des Verbandes.

Ein Videorückblick zur Festveranstaltung finden Sie hier im internen Mitgliederbereich des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und einen freien Filmbeitrag zur Festveranstaltung und Fachtagung vom Sender MV1 finden Sie hier.

Fachtagung “Kooperation und kooperative Behandlungs- und Unterstützungsformen in der psychiatrischen Versorgung: Perspektiven nach 50 Jahren Psychiatrie-Enquete” am 15. Mai 2025 in Schwerin

Jährlich weisen etwa 28 Prozent der Erwachsenen und 23 Prozent der Kinder- und Jugendlichen in Deutschland Merkmale einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung auf. Rund ein bis zwei Prozent von ihnen leiden an den schweren und langanhaltenden Auswirkungen ihrer psychischen Erkrankung, die mit einer intensiven Inanspruchnahme von psychiatrischen und psychosozialen Beratungs-, Behandlungs- und Unterstützungsangeboten einhergehen. In der angloamerikanischen Fachliteraturetablierte sich zur Bezeichnung dieser Zielgruppe der Begriff „Severe Mental Illness“ (dt.„schwere psychische Erkrankungen“).

Blick vom Tagungsort in den Räumlichkeiten des Ludwig-Bölkow-Haus der IHK Schwerin auf das Schweriner Schloss

Im Zuge der Psychiatrie-Enquete hat sich in den letzten 50 Jahren für die Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen in Deutschland ein differenziertes Versorgungssystem mit verschiedenen Beratungs-, Behandlungs- und Unterstützungsformen entwickelt. Dennoch weisen betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene noch immer zahlreiche psychosoziale Gesundheitsbeeinträchtigungen und gesellschaftliche Teilhabeeinschränkungen auf. So gehen schwere psychische Erkrankungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung mit einem erhöhten Risiko für Beschäftigungslosigkeit, Armut, Verschuldung, Wohnungslosigkeit, Viktimisierung, komorbide somatische Erkrankungen und mit einer vorzeitigen Sterblichkeit einher. Gerade im Bereich der Sozialen Teilhabe ist das Risiko für Exklusionsprozesse besonders hoch. Darüber hinaus gehören Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen immer noch zu einer Zielgruppe, die erheblichen Stigmatisierungsprozessen und einstellungsbedingten Barrieren in der Bevölkerung ausgesetzt ist.

Aufgrund dieser Risiken bedarf es in der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung systemübergreifender und nachhaltiger kooperativer Behandlungs- und Unterstützungsformen, um Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen adäquat zu versorgen. Anlässlich des 50. Jubiläums der Psychiatrie-Enquete und des 30-jährigen Jubiläums des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. beschäftigte sich die Fachtagung mit dem Thema „Kooperation und kooperative Behandlungs-, Rehabilitation- und Unterstützungsformen in der psychiatrischen Versorgung: Perspektiven nach 50 Jahren Psychiatrie-Enquete“.

Nach der Eröffnung der Fachtagung durch Sandra Rieck (Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.) und Tina Lindemann (Geschäftsführerin des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie e.V.) wurde zur Einstimmung in das Tagungsthema der von der GBS mbH und Frank Köbe produzierte Kurzfilm Zweiffelos präsentiert, der sich mit den Wünschen und Träumen von Menschen mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzt.

Im Anschluss gab Prof. Dr. Katarina Stengler (Helios Park-Klinikum Leipzig) in ihrem Impulsvortrag einen Überblick zu den aktuellen Herausforderungen in der sozialen und beruflichen Teilhabe von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Prof. Dr. Astrid Jörns-Presentati (IU Internationale Hochschule Hamburg) ging auf die Notwendigkeit von kooperativen Behandlungs- und Unterstützungsformen in der psychiatrischen Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen ein.

Prof. Dr. Katarina Stengler (Helios Park-Klinikum Leipzig)

Nach den einführenden Vorträgen hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit drei Symposien zu besuchen. Das erste Symposium beschäftigte sich mit kooperativen Versorgungsmodellen bei psychisch belasteten Kindern, Jugendlichen und Familien. Hierzu gab Prof. Dr. Michael Kölch (Direktor der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter der Universitätsmedizin Rostock) einen Einblick in die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven von kooperativen Behandlungs- und Unterstützungsformen für psychisch belastete Kinder, Jugendliche und Familien. Prof. Dr. Astrid Jörns-Presentati widmete sich ausgehend von wissenschaftlichen Kooperationsstudien mit kooperativen Versorgungsmodellen in der Kinder- und Jugendhilfe/ Kinder- und Jugendpsychiatrie bei Kindern und Jugendlichen mit komplexen Unterstützungsbedarfen und herausfordernden Verhaltensweisen (Systemsprenger*innen). Dr. Tina Schlüter (Chefärztin der Außenstellen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie, Klinikum am Weissenhof) berichtete über aufsuchende Behandlungsformen in der psychiatrischen Versorgung von psychisch erkrankten Kindern, Jugendlichen und Familien. Zum Abschluss gaben Dr. Kristin Pomowski und Anke Wagner (Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.) Einblicke in die Arbeit der Landesfachstelle: KipsFam und in das Modellprojekt Mental Health Community M-V des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Prof. Dr. Astrid Jörns-Presentati (IU Internationale Hochschule Hamburg)

Das zweite Symposium beschäftigte sich mit kooperativen Behandlungs- und Unterstützungsformen in der Erwachsenenpsychiatrie. Hierzu stelten Nils Greve (Vorstandsvorsitzende des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie e.V.) und Dr. Elke Prestin (NetzG – Bundesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit e.V., ehem. wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt GBV) das Projekt “Gemeindepsychiatrische Basisversorgung” des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie vor. Mit dem Projekt wurden im Zeitraum von 2019 bis 2022 gemäß der S3-Leitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen“ die „gemeindepsychiatrischen Systeminterventionen“ in ausgewählten Regionen erprobt. Dr. Klaus Obert beschäftigte sich dagegen in seinem Vortrag mit der gemeindepsychiatrischen Versorgung von Patient*innen aus der Forensik. Dabei berichtete er über die Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der forensischen Nachsorge im Gemeindepsychiatrischen Verbund Stuttgart. Am Ende ging Prof. Dr. Andreas Speck (Hochschule Neubrandenburg) auf das Thema Einsamkeit als gesellschaftliches und politisches Phänomen und auf die soziale Exklusion von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein.

Zum Abschluss des Modellprojektes “Individual Placement and Support-Coaching – Zurück ins Berufsleben (IPS-ZIB)”, das das Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. gemeinsam mit dem Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und vielen weiteren Kooperationspartner*innen zwischen 2020 und 2025 umsetzte, fand ein dritte Symposium zum Thema berufliche Teilhabe statt. Im Zuge des Projektes wurde ein IPS-Coaching (Individual Placement and Support), das sich am evidenzbasierten Konzept des Supported Employment orientiert, in der Region Greifswald, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und in der Region Bielefeld erprobt und wissenschaftlich evaluiert. Dabei handelt es sich um ein individuell zugeschnittenes Rehabilitationsarrangement, das von einem Jobcoach begleitet und zusätzlich durch ein flexibles Maßnahme-Budget flankiert wird. Zielgruppe der Maßnahme sind Personen mit psychotischen oder affektiven Störungen und mit komplexem Unterstützungsbedarf, für die eine erhebliche Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit besteht. In dem Symposium gaben Prof. Dr. Ingmar Steinhart (Direktor Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., An-Institut der Universität Greifswald) und Prof. Dr. Katarina Stengler (Helios Park-Klinikum Leipzig) unter Beteiligung der wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Projektpartner*innen einen Überblick zur Projektumsetzung und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitforschung.

Wir bedanken uns bei allen Referent*innen und Teilnehmer*innen für die gelungene Festveranstaltung und Fachtagung. Alle Präsentationen zur Fachtagung und alle aufgenommen Videovorträge aus dem Symposium zwei finden Sie hier im internen Mitgliederbereich des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

10. Aktionswochen der seelischen Gesundheit im Landkreis Rostock vom 09. September 2025 – bis 08. Oktober 2025

Seelische Gesundheit ist ein wichtiger Bestandteil unseres allgemeinen Wohlbefindens und beeinflusst, wie wir denken, fühlen und mit den alltäglichen Herausforderungen des Lebens umgehen.

Unter dem diesjährigen Motto der bundesweiten Aktionswoche „Psychisch fit in die Zukunft“ findet in diesem Jahr im Landkreis Rostock die 10. Aktionswochen der seelischen Gesundheit statt, die sich im Rahmen eines vielfältig zusammengestellten Programmes unter anderem mit dem Thema Wege zur Selbstfürsorge beschäftigen.

Ob eine Fachtagung zum Thema “Gesundheitsförderliche Arbeitswelt”, ein Sommerkino mit dem Film “Wunder”, Lesung oder ein Besuch beim Trialog in Bad Doberan in zahlreichen Veranstaltungen mit lokalen Organisationen, Einrichtungen und engagierten Menschen dem Landkreises Rostock wird das Thema Selbstfürsorge und psychische Gesundheit aufgegriffen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie hier im Programm.