Klinische Sozialarbeit im Kontext aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen und globaler Entwicklungen

Ob Weltwirtschaftskrise, Klimakrise, COVID-19-Pandemie oder Ukraine-Konflikt, durch die zunehmenden Globalisierungsprozesse und die digitale Vernetzung wirken sich auch hierzulande die weltweiten Entwicklungen unmittelbar auf den Alltag vieler Menschen aus. Die Folgen der verschiedenen Flüchtlingsbewegungen auf die deutsche Gesellschaft, die Einschränkungen im Sozial- und Gesundheitssystem im Zuge der COVID-19-Pandemie sowie die Lebensveränderungen für viele Menschen durch die steigende Inflation im Zusammenhang mit den globalen wirtschaftlichen Veränderungen und den weltweit sinkenden industriellen Ressourcen machen deutlich, wie eng auch die Praxis der Klinischen Sozialarbeit mit diesen Entwicklungen verbunden ist.

Unter dem Titel Themen der Zeit widmet sich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Klinische Sozialarbeit zahlreichen Entwicklungen und Themen, welche ausgewählte Adressat*innen der Klinischen Sozialarbeit betreffen und neuere Entwicklungen in der Arbeit thematisieren sowie den Einfluss von gesellschaftlichen Entwicklungen auf die Strukturen und Praxis Klinischer Sozialarbeit diskutieren.

So gehen Pia Scheidweiler (Jugendberatungsstelle Viva Wandsbek – Take care! und Viva Billstedt – Take Care!, Jugendhilfe e. V.), Jörg Sikkenga (Berufsakademie Lüneburg) und Martin Schröder (UPK Basel) auf die aktuelle Versorgungssituation von sogenannten „Systemsprenger:innen“ in der Kinder- und Jugendhilfe ein. Karsten Giertz (Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.), Sarah Jenderny (Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.), Julia Möller (Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.) und Ingmar Steinhart (Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.) stellen die Ergebnisse einer Studie vor, die sich mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychosoziale Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen beschäftigt. Die aktuellen Diskurse um sogenannte Hard-to-reach-Klient:innen greift Sina Motzek-Öz (Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Wolfenbüttel) auf. Ausgehend von biografischen Interviews mit Frauen mit Migrationsgeschichte und Depression rekonstruiert sie das Gesundheitshandeln, wodurch ein differenziertes und akteurszentriertes Bild entsteht aus dem sich Ansatzpunkte für professionelle Interventionen bei dieser Zielgruppe ableiten lassen. Die Bedeutung von Traumafolgestörungen bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen thematisieren Luzia Fischer Stiftung Bändi Luzern), Stefania Calabrese (Hochschule Luzern) und Martin Schröder (UPK Basel). Sie weise daraufhin, dass Traumafolgestörungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich häufiger bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen vorzufinden sind und sich negativ auf das Leben als auch auf die professionelle Beziehungsarbeit auswirken können. Vor diesem Hintergrund werden traumasensible Konzepte in der psychosozialen Arbeit diskutiert.

Zum Abschluss beschäftigen sich die Redaktionsmitglieder Karsten Giertz und Katarina Prchal mit dem Einfluss von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen – wie dem Ukraine-Kriegs, die COVID-19-Pandemie oder die Klimakrise – auf die Lebenssituation vieler Adressat*innen der Sozialen Arbeit und diskutieren notwendige sozialpolitische Maßnahmen, welche von der Sozialen Arbeit ausgehen sollten.

Das Editorial, das Inhaltsverzeichnis sowie der Beitrag von Karsten Giertz und Katarina Prchal (Humboldt-Universität zu Berlin)stehen als PDF hier als Download zur Verfügung. Die vollständige Ausgabe kann bei der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. als Einzelheft bestellt werden.

Was sagt uns die COVID-19-Pandemie für die Zukunft? – Beitrag zur COVID-19-Studie in der Psychosozialen Umschau

Was sagt uns die COVID-19-Pandemie für die Zukunft? – Beitrag zur COVID-19-Studie in der Psychosozialen Umschau

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie hat sich der Alltag in allen Lebensbereichen tiefgreifend verändert. Dabei wechselten sich immer wieder Phasen von strengen Hygiene-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen mit zeitweisen Lockerungen ab. Die Pandemie hat auch gezeigt, dass eine plötzlich eintretende Krise die psychiatrischen und psychosozialen Unterstützungssysteme an ihre Grenzen bringen kann. Gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist der verlässliche Zugang zu sozialpsychiatrischen Angeboten, wie zum Beispiel zu (Tages-)Kliniken, Tagesstätten und Beratungsstellen, essenziell für die Alltagsgestaltung und Genesung.

Im vergangenen Jahr führten das Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. eine Online-Umfrage zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern durch. Dabei interessierten unter anderem folgende Fragestellungen: Unter welchen Bedingungen konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen aufrechterhalten? Welchen Herausforderungen und Belastungen standen sie in ihrem Arbeitsalltag gegenüber? Insgesamt war das Interesse und die Beteiligung an der Befragung sehr hoch. Ausgehend von den Ergebnissen konnten Empfehlungen für eine bessere Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung formuliert werden. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Psychosoziale Umschau wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Der Beitrag kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Abschlussbericht zum Forschungsprojekt zu den COVID-19-bedingten Auswirkungen auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung von Mecklenburg-Vorpommern

Abschlussbericht zum Forschungsprojekt zu den COVID-19-bedingten Auswirkungen auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung von Mecklenburg-Vorpommern

Die COVID-19-Pandemie hat den Alltag in Deutschland seit dem 11. März 2020 deutlich eingeschränkt. Neben der Gesundheitsgefahr durch das Virus gingen die pandemiebedingten Schutzmaßnahmen wie Lockdowns, Hygiene-Maßnahmen oder Kontakteinschränkungen zur Verringerung des Infektionsgeschehens bei vielen Familien und Menschen mit erheblichen psychosozialen Belastungen, spezifischen Ängsten und allgemeine Unsicherheit einher.

Auch die psychiatrische und psychosoziale Versorgung von erwachsene Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, psychisch belasteten Kindern, Jugendlichen und Familien oder ältere Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen wurde im Zusammenhang mit den COVID-19-bedingten Schutzmaßnahmen über viele Monate hinweg deutlich eingeschränkt. Bisher liegen für Mecklenburg-Vorpommern nur wenige Daten über die Auswirkungen der Versorgung für diese Zielgruppe vor. Um geeignete Maßnahmen zur Prävention und Verbesserung der postpandemischen Versorgung zu entwickeln, führten das Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. im vergangenen Jahr ein Forschungsprojekt zu den Folgen der COVID-19-Pandemie auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung von erwachsenen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern durch.

Im Fokus der Untersuchung standen eine allgemeine Statuserhebung zur aktuellen Versorgungssituation sowie zu den inhaltlichen, personellen und strukturellen Veränderungen aufseiten der psychiatrischen und psychosozialen Angebote während der vergangenen Lockdowns. Dabei wurden sämtliche Angebote, Einrichtungen und Institutionen der psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung und Behandlung von erwachsenen Menschen mit psychischen Erkrankungen eingeschlossen. Neben der allgemeinen Bestandsaufnahme bestand das Ziel darin, Empfehlungen und Maßnahmen zu entwickeln, um den langfristigen Folgen der Pandemie auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung entgegenzuwirken sowie die soziale Teilhabe von psychisch erkrankten Menschen auch in besonderen gesellschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten in Mecklenburg-Vorpommern aufrechtzuerhalten.

Die Ergebnisse und Empfehlungen des Forschungsprojektes wurden nun in einem Abschlussbericht veröffentlicht, der hier heruntergeladen werden kann.

Die COVID-19-Pandemie in Mecklenburg-Vorpommern – Auswirkungen auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung

Die COVID-19-Pandemie in Mecklenburg-Vorpommern – Auswirkungen auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung

Die COVID-19-Pandemie ist in Deutschland seit mittlerweile drei Jahren nicht mehr aus dem Alltag der Bevölkerung wegzudenken und hat im privaten sowie beruflichen Bereich weitgehende Veränderungen mit sich gebracht. Bund und Länder reagierten dabei regionalspezifisch und kontextabhängig auf das dynamische Pandemiegeschehen, sodass regionale Erhebungen und die kommunale Berichterstattung maßgeblich z. B. für die Planung von pandemiebedingten Schutzmaßnahmen wurden. Darüber hinaus beschäftigen sich seit Beginn der COVID-19-Pandemie zahlreiche Studien mit der Erforschung des Virus sowie seinen gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.

Bislang wenig bekannt ist über die psychiatrische und psychosoziale Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen unter den Pandemiebedingungen in Mecklenburg-Vorpommern. Das Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V. und der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. führten 2021 in gemeinsamer Kooperation eine repräsentative Online-Befragung zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern durch. Ausgehend von den Ergebnissen wurden verschiedene Empfehlungen entwickelt, um den langfristigen Folgen der Pandemie auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung entgegenzuwirken sowie die soziale Teilhabe von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen auch in besonderen gesellschaftlichen Krisensituationen aufrechtzuerhalten.

Eine öffentliche Präsentation der Zwischenergebnisse fand im November 2021 im Rahmen des 8. Rostocker Psychiatrieforums statt. In der diesjährigen Juni-Ausgabe der Zeitschrift Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern wurden die Erkenntnisse und Empfehlungen der Studie nun im Rahmen eines Beitrages erstmals zusammengefasst und veröffentlicht. Der Beitrag „Die COVID-19-Pandemie in Mecklenburg-Vorpommern – Auswirkungen auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung“ kann hier frei heruntergeladen werden. Die Veröffentlichung des kompletten Forschungsberichtes erfolgt in den nächsten Wochen.

Unser Jahr 2021 im Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Unser Jahr 2021 im Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Seit 1995 engagiert sich der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. für die besonderen Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen und an der Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Trotz der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie konnte der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. gemeinsam mit seinen Mitgliedern und Kooperationspartner*innen im Jahr 2021 zahlreiche Initiativen, Gremien- und Netzwerkaktivitäten, Modellprojekte, Qualifizierungsmaßnahmen und andere Aktivitäten umsetzen.

Ein besonderer Schwerpunkt im Jahr 2021 lag neben den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychiatrische und psychosoziale Versorgung von Mecklenburg-Vorpommern auf die Herausforderungen in der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Hierzu wurden ausgehend von den Rückmeldungen der Verbandsmitglieder und den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Instituts für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. Anfang des Jahres wichtige Themenschwerpunkte zusammengetragen und im Rahmen von verschiedenen Initiativen und Aktivitäten bearbeitet. Zudem wurden zur Unterstützung der Mitarbeitenden aus der sozialpsychiatrischen Praxis verschiedene Fortbildungsformate zum Bundesteilhabegesetz und zur fachlichen Ausgestaltung von Unterstützungsleistungen zur Förderung der sozialen Teilhabe entwickelt und umgesetzt.

Im Zusammenhang mit den Aktivitäten im Modellprojekt „Adoleszenzpsychiatrie“, im Rehapro-Projekt „IPS-Coaching“, im Präventionsprogramm „Verrückt? Na Und!“ und in der „Landeskoordinierung zur Entwicklung von sektorenverbindenden Strukturen und Konzepten für die (verbesserte) Versorgung von Kindern aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien“ bearbeitete der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. zahlreiche Fachthemen, die gegenwärtig allgemein bundesweit diskutiert werden und zur Weiterentwicklung der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung sowie zur Gesundheitsförderung und Prävention beitragen. Um die verbandsinterne und öffentliche Kommunikation zu verbessern, wurde im Berichtsjahr auch der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit durch die Möglichkeiten von neuen digitalen Medien, Formaten und Softwareprodukten weiterentwickelt.

Zusammenfassend können wir hervorheben, dass unsere Initiativen und Vereinsarbeit, trotz der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie im Jahr 2021 zum Großteil erfolgreich umgesetzt werden konnten. Ohne die Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern, Projektpartner*innen, dem Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und vieler anderer Institutionen, Akteur*innen sowie unseren Fördermittelgebern, dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport, wäre dies kaum möglich gewesen. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen für die gute Zusammenarbeit und Ihr Engagement im Jahr 2021 bedanken.

Alle näheren Informationen zum Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., zu den Mitgliedern und Aktivitäten, Initiativen, Veröffentlichungen sowie zu den Projekten im Jahr 2021 können in unserem aktuellen Jahresbericht nachgelesen werden.

Themenheft Resilienz und Resilienzförderung in der psychosozialen Praxis

Der Begriff Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit eines Menschen gegenüber biologischen, psychologischen und sozialen Risikosituationen. Dabei bezieht sich der Begriff auf die individuellen Fähigkeiten eines Menschen belastende Hochrisikosituationen durch personelle und umweltbezogene Kompensationsmöglichkeiten erfolgreich zu bewältigen. Im Zusammenhang mit den zunehmenden psychosozialen Belastungen aufgrund von gesellschaftlichen Krisen – wie zum Beispiel der COVID-19-Pandemie oder den globalen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine – hat das Konzept der Resilienz in der Förderung zur psychischen Gesundheit und in der Prävention von psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung an Bedeutung gewonnen.

Aber wie können die wesentlichen Resilienzfaktoren in der Bevölkerung konkret gefördert werden? Welche Konzepte von Resilienz und Resilienzförderung in der psychosozialen Praxis gibt es? Wie lassen sich gesundheitsfördernde Maßnahmen aus den bestehenden Resilienzkonzepten für Zielgruppen der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung ableiten?

Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich das Themenheft „Resilienzförderung in der Klinischen Sozialarbeit“ der „Zeitschrift Klinische Sozialarbeit – Zeitschrift für psychosoziale Praxis und Forschung“. Zu Beginn gibt Klaus Fröhlich-Gildhoff eine Einführung zur Resilienz sowie zu den wesentlichen Resilienzfaktoren und ihre Förderung. Ausgehend von dem Konzept der „resilient community“ zur Förderung der Teilhabechanchen und Gesundheit durch Gemeinwesenarbeit beschreibt Yvonne Kahl die Potenziale der Resilienzstärkung durch die Sozialraumorientierung in der Arbeit mit Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Eingliederungshilfe. Tim Middendorf befasst sich in seinem Beitrag mit der Resilienzförderung im Studium der Sozialen Arbeit. Zum Abschluss geht Anna Lena Rademaker auf die Resilienzförderung von jungen Menschen im Kontext der COVID-19-Pandemie ein und betont dabei, dass die Lebenswelt der jungen Menschen zum Ausgangspunkt für Information, Aufklärung, Gesundheitsförderung und Prävention zu nehmen ist.

Das bereits im September 2020 veröffentlichte Themenheft ist seit diesem Monat auf der Internetseite des ZKS Verlages kostenfrei als PDF abrufbar.

Stellungnahme zur COVID-19-bedingten Sonderauszahlung und zur fehlenden Anerkennung von Mitarbeiter*innen in der Eingliederungshilfe

Stellungnahme zur COVID-19-bedingten Sonderauszahlung und zur fehlenden Anerkennung von Mitarbeiter*innen in der Eingliederungshilfe

Seit zwei Jahren schränkt die COVID-19-Pandemie den Alltag vieler Menschen ein. Vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Familien, alleinlebende Menschen, ältere Menschen, Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Behinderungen oder Menschen in schwierigen Lebenslagen sind von den Folgen der Pandemie sowie von den pandemiebedingten Schutzmaßnahmen besonders betroffen.

Zahlreiche Mitarbeitende setzen sich im Sozial- und Gesundheitswesen seit zwei Jahren unter schwierigen Bedingungen dafür ein, die psychosoziale, pflegerische und medizinische Versorgungssituation in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Einsatz und das Engagement dieser Menschen trägt maßgeblich dazu bei, dass sich die Lebenssituation von Menschen mit sozialen, psychischen, körperlichen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen in den letzten Jahren nicht im extremen Maße verschlechtert hat. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind die Mitarbeitenden des Gesundheits- und Sozialwesens aber auch erhöhten Belastungen ausgesetzt. So entstehen belastende Situationen hier sowohl im beruflichen (hohes Risiko einer Infektion, Arbeit mit Risikogruppen oder auch schwer erkrankten COVID-19-Pantien*innen, Quarantänemaßnahmen etc.) als auch im privaten Bereich (Shutdown, Kontakteinschränkungen, Kinderbetreuung etc.).  

Wir vom Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. begrüßen, dass sich die politischen Entscheidungsträger*innen zum zweiten mal dafür eingesetzt haben, während der Pandemie für Mitarbeiter*innen im Kranken- und Pflegebereich eine sogenannte Corona-Prämie auszuzahlen. Die Corona-Prämie vermittelt vonseiten der Politik eine symbolische Anerkennung und öffentliche Wertschätzung im Zusammenhang mit den pandemiebedingten Herausforderungen, die diese Berufsgruppen täglich zu bewältigen haben.

Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Allerdings bedauern wir, dass die Mitarbeiter*innen aus dem Bereich der Eingliederungshilfe, welche ebenfalls unter schwierigen Bedingungen wichtige psychosoziale Unterstützungsleistungen für  Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderungen leisten, wieder von einer Sonderauszahlung ausgeschlossen wurden. Auch in diesem Bereich haben sich die Infektionszahlen unter den Mitarbeiter*innen deutlich erhöht. Für die restlichen Kolleg*innen führen diese Situationen zu Mehrbelastungen insbesondere, wenn sie die zusätzliche Betreuungsleistungen übernehmen und vertreten müssen.

Allgemein wird aus der Praxis berichtet, dass die Belastungen größer geworden sind, verbunden mit der Unsicherheit Infektionen möglicherweise in den eigenen Kreis der Klient*innen bzw. Kolleg*innen einzutragen. Zusätzlich führen auch die regelmäßigen Testungen sowie das Tragen von Masken, Schutzkleidung usw. zu Dauerbelastungen. Gleichzeitig ist es vielen Mitarbeitenden in der Eingliederungshilfe nicht möglich, sich und ihre familiären Angehörigen vor einer COVID-19-Infektion durch Homeoffice oder mobiles Arbeiten zu schützen.

Unsere Mitglieder berichten auch, dass die pandemiebedingte Sonderauszahlung, insbesondere, wo sowohl Mitarbeiter*innen aus dem Bereich der Pflege als auch aus dem Bereich der Eingliederungshilfe täglich zusammenarbeiten, zu großer Unruhe geführt hat. Aufgrund des knappen Personalbudget in der Finanzierung der Eingliederungshilfe ist es vielen Trägern und Vereinen nicht möglich selbst eine Corona-Prämie auszuzahlen. Auch die fehlende öffentliche Anerkennung würde darüber nicht kompensiert werden können.

In den vergangenen Wochen haben mehrere Träger und Verbände der Eingliederungshilfe auf diese Situation in Form von Anfragen und Schreiben aufmerksam gemacht, die vonseiten des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Sport leider oftmals unbeantwortet blieben.  

Allgemein bedauern wir, dass diese große Gruppe von Mitarbeiter*innen, von der Politik bisher viel zu selten beachtet und im öffentlichen Diskurs teilweise überhaupt nicht thematisiert wird, obwohl es sich hierbei um eine wichtige Berufsgruppe handelt, die sich täglich auch in schwierigen gesellschaftlichen Situationen für die Belange von benachteiligten Menschen einsetzt und damit auch einen wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt sowie für die gesellschaftliche Stabilität leistet.

Im Rahmen dieser Stellungnahme fordern wir die politischen Entscheidungsträger*innen und Fraktionen auf, sich zukünftig für eine bessere öffentliche Anerkennung für die Mitarbeiter*innen in den Leistungsangeboten der Eingliederungshilfe im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern einzusetzen.

Die Stellungnahme kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Neue Fortbildungsangebote zur Förderung der psychischen Gesundheit bei Kindern und jungen Erwachsenen in Schule und Ausbildung

Neue Fortbildungsangebote zur Förderung der psychischen Gesundheit bei Kindern und jungen Erwachsenen in Schule und Ausbildung

Foto von Tara Winstead von Pexels

Das Thema psychische Gesundheit sowie die Prävention von psychischen Erkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Lebensspanne des Erwachsenenwerdens gehört mit zu den schwierigsten Etappen im Leben. Es ist die Zeit des Lernens, der Rebellion und der Selbstfindung. Kein Wunder, dass gerade die Jugendzeit so anfällig für Probleme ist, welche die eigenen Lösungsmöglichkeiten übersteigen. Psychische Krisen, Depression oder selbstschädigendes Verhalten beginnen in keiner Lebensphase so häufig wie in der Pubertät.

Zahlreiche Studien legen nahe, dass über 50 % der im Erwachsenenalter fortbestehenden psychischen Erkrankungen erstmalig vor dem 14. Lebensjahr und 75 % vor dem 24. Lebensjahr auftreten. Mit der COVID-19-Pandemie hat sich die Gesundheitssituation für viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen verschlechtert. So zeigen Studien, dass infolge der Pandemie inzwischen fast 33 % der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten aufweisen. Allgemein gelten als Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen vor allem ein niedriger sozioökonomischer Status, ein alleinerziehender Elternteil, psychische Erkrankungen eines Elternteils sowie ein niedriger Bildungsabschluss der Eltern.

Foto von Tara Winstead von Pexels

Nur wenige junge Menschen bekommen rechtzeitig die passende Unterstützung. Viele suchen aufgrund der Sorge vor Stigmatisierung, der Angst vor dem Verlust der Selbstbestimmung, der Unübersichtlichkeit des Hilfesystems, des Mangels an Informationen über regionale Hilfeangebote oder der bestehenden Unterversorgung in vielen Regionen erst Jahre später die geeignete Unterstützung auf. Unter diesen Umständen sind Entwicklungsschritte wie zum Beispiel ein Schulabschluss, der Übergang in Ausbildung und Beruf, das Finden der eigenen Identität oder das Gründen einer Familie oftmals beeinträchtigt. Die Folgen sind neben dem großen persönlichen subjektiven Leiden, unter anderem der Abbruch des Schul- und Ausbildungssystems, die Chronifizierung der psychischen Problemlagen, eine anhaltende Abhängigkeit von Sozialsystemen, ein höheres Suizidrisiko oder Frühberentungen.

Foto von Dids von Pexels

Orte an denen die Kinder und Jugendlichen in dieser Lebensphase einen Großteil ihrer Zeit verbringen, sind Bildungsinstitutionen wie Schule, berufliche Ausbildungsstätten, Hochschulen und Universitäten. Um die Situation der Kinder und jungen Erwachsenen im Zusammenhang mit den psychosozialen Belastungen zu verbessern, der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen innerhalb der Gesellschaft entgegenzuwirken und Lehrer*innen sowie Eltern besser bei der Begleitung von psychisch belasteten Kindern und Jugendluchen zu unterstützen, bietet der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. in Anlehnung an das Präventionsprojekt „Verrückt? Na Und!“ von Irrsinnig Menschlich e.V. zwei Fortbildungsangebote für Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen und Eltern an. Beide Fortbildungsangebote vermitteln Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen und Eltern über ein leicht zugängliches und flexibles Fortbildungsformat wichtige Informationen zur Prävention von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Kontext von Schule, Ausbildung und Studium. Nähere Informationen können auf den Seiten der jeweiligen Angebote abgerufen werden:

Für weitere Informationen steht Ihnen die Fortbildungskoordinatorin und Referentin Anke Wagner telefonisch unter 0381 – 873 942 33 oder per E-Mail unter anke.wagner@sozialpsychiatrie-mv.de zur Verfügung.

Eine Übersicht zu weiteren Fortbildungsangeboten des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. finden Sie hier. Einen Überblick zu weiteren Aktivitäten und Initiativen zum Thema psychische Gesundheit bei Kindern, Jugendlichen und ihren Familien finden Sie hier.

Unterstützt von:

Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. jetzt auch auf YouTube

Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. jetzt auch auf YouTube

Im Zuge der COVID-19-Pandemie waren und sind noch immer viele Verbände und Organisationen gezwungen einen großen Teil ihrer Aktivitäten und Veranstaltungen in digitaler Form umzusetzen. Auch der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. musste für seine Themen und Veranstaltungen im vergangenen Jahr auf digitale Medien zurückgreifen und neue Formate entwickeln. Aus dieser Entwicklung heraus entstanden verschiedene Videobeiträge, Aufzeichnungen von Fachveranstaltungen und Kurzfilme, die wir nun im YouTube-Kanal des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. veröffentlicht haben und allen Interessierten zur Verfügung stellen möchten.

Ob zur Lebenssituation von Kindern psychisch belasteter Eltern, zur Stigmatisierung von psychisch erkrankten Menschen in unserer Gesellschaft, zum Thema Arbeit und psychische Gesundheut oder zur Versorgungssituation von schwer erreichbaren Klient*innen in der Psychiatrie, auf unserem YouTube-Kanal finden Sie verschiedene Beiträge zu unseren aktuellen Themen und Projekten. Zudem können Sie hier Aufzeichnungen von unseren Veranstaltung aus diesem Jahr ansehen.

Verfolgen Sie unsere Aktivitäten gerne auch auf unserem YouTube-Kanal.

Tagungsdokumentation zum 8. Rostocker Psychiatrieforum

Am 21. November 2021 fand das 8. Rostocker Psychiatrieforum statt. Organisiert und veranstaltet wurde die Tagung von der AWO Rostock gGmbH, vom Verein EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V., von der Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik mbH, vom Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., vom Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., von der Universität Rostock und von der Universitätsmedizin Rostock sowie von der Psychiatriekoordination der Hanse- und Universitätsstadt Rostock.

Trotz der COVID-19-Pandemie war es unter Einhaltung der pandemiebedingten Schutzmaßnahmen möglich, die Tagung in Präsenzform mit einer limitierten Anzahl von Teilnehmer*innen im DRK Stadtteil- und Begegnungszentrum/ Mehrgenerationenhaus Toitenwinkel durchzuführen.

Anlässlich der COVID-19-Pandemie widmete sich das 8. Rostocker Psychiatrieforum 2021 unter dem Motto „Die Seele in Zeiten von Corona – gemeinsam seelisch gesund!“ den pandemiebedingten Auswirkungen auf die Lebens- und Unterstützungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Neben einer allgemeinen Einführung zur psychiatrischen Versorgung unter Pandemiebedingungen in Mecklenburg-Vorpommern wurden auf der Tagung mehrere wissenschaftliche Forschungsinitiativen aus Mecklenburg-Vorpommern zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit und psychiatrische Versorgung vorgestellt. Den Abschluss der Tagung bildete eine moderierte trialogisch besetzte Podiumsdiskussion mit Akteur*innen aus der psychiatrischen Praxis und Selbsthilfe.

Um auch allen Interessierten einen Einblick in die Tagung zu ermöglichen – die aufgrund der pandemiebedingten Schutzmaßnahmen und Veranstaltungsauflagen nicht teilnehmen konnten – hat der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. eine Tagungsdokumentation erstellt, die hier zum Download frei zugänglich ist.

Neben einem einleitenden Grußwort der Referatsleiterin Psychiatrie, Maßregelvollzug, Sucht und Prävention des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern Frau Dr. Penning-Schulz finden Sie in dieser Tagungsdokumentation eine kurze inhaltliche Zusammenfassung der einzelnen Tagungsbeiträge.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen, Referent*innen und Kooperationspartner*innen für die gelungene Tagung.