Ausstellung „Ausbruch in die Kunst von Julius Klingebiel Zelle Nr. 117“

Sein ganzes Leben verbrachte Julius Klingebiel in einer psychiatrischen Einrichtung. 1940 wurde der gelernte Schlosser mit 35 Lebensjahren in das Landesverwahrungshaus Göttingen eingewiesen. Wie viele andere körperlich, geistig oder psychisch behinderte Menschen während der Zeit im Nationalsozialismus, erlebte Julius Klingebiel zahlreiche einschneidende und traumatische Ereignisse.

Julius Klingebiel starb am 26. Mail 1965. Sein einzigartiges Kunstwerk hat er der Nachwelt im Rahmen einer Ausstellung hinterlassen. Erstmals kann die Ausstellung „Ausbruch in die Kunst von Julius Klingebiel Zelle Nr. 117“ vom 1. bis 20. Oktober im Rathaus der Hanse- und Universitätsstadt Rostock besichtigt werden.

Das Plakat der Ausstellung und weitere Informationen zum Leben und Werk von Julius Klingebiel finden Sie hier:

AB’GEDREHT – 16. Rostocker Film- und Kulturtage zur psychischen Gesundheit

Fas jeder dritte Mensch leidet in Deutschland Schätzungen zufolge mindestens einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. Das Stigma belastet viele Betroffene und ihre Angehörigen.

Um der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung entgegenzuwirken, werden vom 7. bis 13. Oktober zum 16. Mal die Rostocker Film- und Kulturtage zur psychischen Gesundheit ausgetragen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Thema psychische Gesundheit und Erkrankung. Das Thema wird in mehreren unterschiedlichen Filmen aufgegriffen. Im Anschluss finden Diskussionsrunden mit verschiedenen Expert*innen statt.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Gesundheitsamt der Hanse- und Universitätsstadt Rostock in trialogischer Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der psychiatrischen Versorgung, der Selbsthilfe sowie des li.wu und der Rostocker Film- und Kulturtage.

Das Filmprogramm und weitere Informationen zum Kartenverkauf finden Sie hier:

Das Präventionsprogramm „Verrückt? Na Und!“ in Mecklenburg-Vorpommern

Seit Anfang 2021 hat der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. die Landeskoordinierung für das Präventionsprogramm „Verrückt? Na Und!“ übernommen. „Verrückt? Na Und!“ gehört zu einem universellen Präventionsprojekt zur Förderung der psychischen Gesundheit bei Kindern und jungen Erwachsenen ab der 8 Schulklasse, im Freiwilligen Sozialem Jahr, in der Berufsschule, im Studium oder in der Ausbildung. Neben fachlichen und persönlichen Expertinnen und Experten kommen bei „Verrückt? Na Und!“ bewährte und wirksame Präventionsstrategien zum Einsatz.

„Verrückt? Na Und!“ wurde von Irrsinnig Menschlich e.V. gegründet und mittlerweile in Deutschland an über 100 Standorten implementiert. Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. begleitet die Umsetzung und Erprobung des Präventionsprogramms in Mecklenburg-Vorpommern. Mittlerweile konnten 6 Regionalgruppen in Mecklenburg-Vorpommern gegründet werden, die „Verrückt? Na Und!“ an Schulen, Berufsschulen, Hochschulen oder Ausbildungsbetrieben in einem Tagesseminar mit 5 bis 6 Stunden anbieten.

Ziel ist es unter anderem durch Übungen und Diskussionen sowie über die Beiträge der fachlichen und persönlichen Expert*innen mit den Teilnehmenden über das Thema psychische Gesundheit ins Gespräch zu kommen, Vorurteile gegenüber psychisch erkrankten Menschen in der Bevölkerung abzubauen und betroffene Kinder und junge Erwachsene zu sensibilisieren bei psychischen Problemlagen rechtzeitig Unterstützung aufzusuchen.

In den vergangenen Wochen und Monaten konnten – über die Koordination des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. – mehrere „Verrückt? Na Und“-Projekttage in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt und erste Statements von Teilnehmenden eingefangen werden.

Statements nach einem „Verrückt? Na und“-Projekttag in Mecklenburg-Vorpommern:

Schüler*innen

„Es war ein sehr schöner Tag.“

„Es war eine gute Atmosphäre.“

„Es hat mir viel Spaß gemacht – vor allem das Gespräch mit dem persönlichen Experten.“

„Ich habe viel gelernt über psychische Erkrankungen.“

„Das ist ein ganz schön großes Thema.“

„Es ist schön, etwas von meinen Mitschüler*innen in diesem Bereich zu erfahren.“

„Nun kann ich mir besser vorstellen, wie das so ist.“

„Ich hätte gerne mehr Zeit mit dem persönlichen Experten gehabt.“

Lehrkraft

„Ich wünsche mir, dass wir diese Achtsamkeit füreinander im Schulalltag beibehalten.“

Eindrücke von einem „Verrückt? Na und“-Projekttag in Mecklenburg-Vorpommern:

Weitere Informationen zu „Verrückt? Na Und!“ und Irrsinnig Menschlich e.V. finden Sie hier.

Eine Übersicht zu den Regionalgruppen und Ansprechpartner*innen in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie hier.

Anti-Stigma-Kampagne im Radio LOHRO

Die Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen hat in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich zugenommen. Besonders in den Medien spiegelt sich die Tendenz der sozialen Diskriminierung und Abwertung von psychisch erkrankten Menschen wieder. Aber auch in der deutschen Bevölkerung kann ein Anstieg von negativen Zuschreibungen gegenüber Personen mit psychischen Erkrankungen verzeichnet werden. Vorurteile und Diskriminierung von bestimmten Bevölkerungsgruppen wirken sich nicht nur negativ auf das gesellschaftliche Gesamtklima aus, sondern auch bei den Betroffenen geht die gesellschaftliche Ausgrenzung mit einer Reihe von negativen Folgen einher. Hierzu gehören zum Beispiel ein vermindertes Selbstwertgefühl, gesellschaftliche Exklusion, negatives Stresserleben, erhöhte Suizidalität und eine schlechtere Krankheitsbewältigung.

Um der gesellschaftlichen Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken, führte der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. zwischen April 2016 bis 2017 die Anti-Stigma-Kampagne durch. Am 23.02.2021 stellte Anke Wagner vom Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. die Anti-Stigma-Kampagne beim Radiosende LOHRO vor. Der Radiobeitrag kann hier angehört werden.

Weitere Informationen zur Anti-Stigma-Kampagne des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. finden Sie hier.

Erinnern, Betrauern, Wachrütteln – 27.01.2020 in Güstrow

Mit dieser landesweiten Gedenkveranstaltung wird seit 2010 auf Initiative des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., gemeinsam mit Vertretern der Angehörigen und der Psychiatrieerfahrenen, am 27. Januar in Mecklenburg-Vorpommern der Opfer der sogenannten „Euthanasie“ und Zwangssterilisationen in der NS-Zeit gedacht. Für die Psychiatrie in Deutschland ist die Zeit des Nationalsozialismus bis heute noch ein stellenweise tabuisiertes, zugleich aber wohl ihr dunkelstes Kapitel: Mehr als 300.000 Menschen – Kinder und Erwachsene – wurden auf Grund ihrer psychischen und/oder geistigen Beeinträchtigung systematisch ermordet. Mehr als 400.000 Menschen wurden zwangssterilisiert. Die seelischen Verwundungen und Stigmatisierungen reichen bis in die heutige Zeit hinein.  

Mehr als 2.200 Menschen waren in Mecklenburg von der sogenannten NS – „Euthanasie“ betroffen. Mindestens 5.000 Menschen wurden im Zuge der Erbgesundheitsgesetze in Mecklenburg zwangssterilisiert. Der Ort des Gedenkens wird in 2020 erstmalig die Stadt Güstrow sein. Die Opfergruppe der Menschen mit psychischen oder anderen Erkrankungen, geistigen und körperlichen Behinderungen, die im Rahmen der Erbgesundheitsgesetze und der sog.  T4-Aktionen in der Zeit des Nationalsozialismus umgebracht oder dauerhaft geschädigt wurden, kamen nicht nur aus psychiatrischen Kliniken, sondern auch Alten- und Pflegeheime, Gefängnisse, auch Kinderheime und Fürsorgeeinrichtungen beteiligten sich an diesen unfassbaren Taten. Diesen Spuren folgen wir in der diesjährigen Veranstaltung am 27.1.2020 in Güstrow und setzen uns mit den regionalen Geschehnissen auseinander. 

Wir laden Sie ganz herzlich ein, gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren am nationalen Gedenktag für die NS-Opfer zu erinnern, zu trauern und wachzurütteln. 

Sandra Rieck (Koordination)  

Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. , Vorstandsvorsitzende 

Flyer:

Dokumentation:

Abgehängt und chancenlos? – Teilhabechancen und -risiken von Menschen mit schweren psychischen Beeinträchtigungen

Teilhabe ist das Schlüsselkonzept sozialpsychiatrischer Praxis in der Eingliederungshilfe. Gleichzeitig ist der Teilhabebegriff bislang konturlos: Die theoretische Ableitung und differenzierte Informationen über Teilhabechancen und -risiken von Menschen mit schweren psychischen Beeinträchtigungen in der Eingliederungshilfe fehlten bislang.

In der BAESCAP-Studie wurden diejenigen gefragt, die sonst bei jeder großen Erhebung außen vor bleiben: fast 1900 Nutzer*innen sozialpsychiatrischer Leistungen mit schweren psychischen Erkrankungen. Sie wurden befragt zu ihrer Familiensituation, zu Freundschaften, zu ihrer Ausbildung, zum Beruf und zu ihren Stigmaerfahrungen. Welche Teilhabemöglichkeiten und -hindernisse erleben sie?

Die Ergebnisse der Studie liefern erste Antworten: Trotz Eingliederungshilfe sind sie vielfach abgehängt und chancenlos.

Doch was bedeutet Teilhabe, das Schlüsselkonzept sozialpsychiatrischer Praxis, eigentlich konkret und wie kann sie theoretisch abgeleitet werden? Welche Facetten des Lebens greifen wir heraus, welche sind wichtig? Die Autorinnen und Autoren verankern Teilhabe auf theoretischer Ebene im Capabilities Approach, sie diskutieren den Teilhabebegriff auch vor dem Hintergrund des neuen Bundesteilhabegesetzes und sie zeigen auf, was auf sozialpolitischer Ebene nötig ist.

Informationen zu den Herausgebern: Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., gegründet 1995, ist der unabhängige Fachverband von Anbietern, die im Land Mecklenburg- Vorpommern in der Unterstützung psychisch kranker und behinderter Menschen unmittelbar tätig sind. Er setzt sich ein für eine an der Person des Einzelnen orientierte Psychiatrie und damit für eine dauerhafte soziale Integration und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe. Prof. Dr. Andreas Speck lehrt und forscht zu Sozialpsychologie, Sozialpsychiatrie und Gender/Diversity im Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung der Hochschule Neu­brandenburg, er ist im Vorstand des Instituts für Sozialpsychiatrie Mecklenburg­-Vorpommern e. V. Prof. Dr. Ingmar Steinhart, Diplompsychologe, Vorstand v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Direktor Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. An-Institut der Universität Greifswald, Vorstandsmitglied Aktion Psychisch Kranke e.V.

Eine Rezension zum Buch finden Sie hier.

Stiftung „Anerkennung und Hilfe“

In stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. der Psychiatrie kam es in der Vergangenheit zu Leid und Unrecht. Viele Menschen, die als Kinder oder Jugendliche dort untergebracht waren, leiden noch heute an den Folgen, zum Beispiel von ungerechtfertigter Zwangsmaßnahmen, Gewalt, Strafen, Demütigungen oder unter finanziellen Einbußen, weil sie sozialversicherungspflichtig in den Einrichtungen gearbeitet haben, ohne dass dafür in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Um diese Menschen zu unterstützen, haben der Bund, die Länder und die Kirchen die Stiftung Anerkennung und Hilfe ins Leben gerufen.

Seit dem 01. Januar 2017 hat die Stiftung Anerkennung und Hilfe ihre Arbeit aufgenommen. Sie bietet Menschen Beratung sowie Entschädigung, die als Minderjährige in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie untergebracht und dort körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren und/oder als Arbeitskraft ausgenutzt wurden. Dabei geht es um den Zeitraum zwischen 1949 und 1975 in Westdeutschland sowie zwischen 1949 und 1990 in der Deutschen Demokratischen Republik.

Entschädigungsansprüche können bis zum 31.12.2019 geltend gemacht werden.

Die Stiftung bietet bei Kontaktaufnahme über ihre Anlauf- und Beratungsstelle im jeweiligen Bundesland persönliche Beratung an, unterstützt beim Ausfüllen der Anmeldung, prüft die Voraussetzungen und leitet – sind diese erfüllt – die Anmeldung an die Geschäftsstelle weiter.

Weitere Informationen finden Sie hier.

ERINNERN, BETRAUERN, WACHRÜTTELN – 17.01.2018 in Stralsund

Auf Initiative des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V., dem Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Mecklenburg-Vorpommern e.V. und dem Landesverband der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker Mecklenburg-Vorpommern e.V. fand am 17.01.2018 die Gendenkveranstaltung für psychisch kranke und behinderte Opfer des Nationalsozialismus in Mecklenburg-Vorpommern statt.

Dokumentation der Veranstaltung: