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Projektbeschreibung für das Netzwerk Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern


1. Problemanalyse und Situationsbeschreibung
Sozialpsychiatrische Versorgung beinhaltet ein differenziertes und weites Angebotsspektrum. Die Sozialgesetzbücher bieten für Menschen mit psychischen Erkrankungen unterschiedliche Hilfen je nach Bedarf und Anspruch an. Dies bedeutet zum einen, dass es eine Vielzahl von Unterstützungsleistungen für diesen Personenkreis gibt. Zum anderen bedeutet dies aber auch, dass eine Unübersichtlichkeit entsteht, sich Subsysteme herausbilden und Schnittstellenbearbeitung notwendig wird. Die Erfahrung zeigt, dass sich demzufolge das zergliederte Sozialleistungssystem auch auf den Bereich der sozialpsychiatrischen Versorgung niederschlägt. Das Bundesteilhabegesetz generiert hier neue Impulse und versucht durch die Stärkung der Steuerungsfunktion der Eingliederungshilfeträger "Hilfen wie aus einer Hand" für die Betroffenen sicherzustellen. In der gegenwärtigen Praxis lässt sich dieser Aspekt des Bundesteilhabegesetzes jedoch eher als Ziel titulieren und nicht als umgesetzte Praxis. Das erklärte Ziel der "Hilfen wie aus einer Hand" will das Projekt Netzwerk Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern aufgreifen und dem aktuellen Zustand entgegenwirken.

2. Zielgruppe/-n
Die Zielgruppe des Netzwerkes Sozialpsychiatrie sind zum einen alle Akteure der sozialpsychiatrischen Praxis und Wissenschaft. Dies umfasst einerseits die Ebene der im Rahmen der sozialpsychiatrischen Versorgung Tätigen Institutionen und der Kostenträger als auch die Ebene der Institutionen der Selbsthilfe. So zielt das Netzwerk Sozialpsychiatrie im Rahmen seiner Tätigkeit nicht nur auf die leistungserbringenden und leistungsgewährenden Einrichtungen ab, sondern kooperiert ebenso mit den Landesverbänden und Vereinigungen der Selbsthilfe. Insbesondere sind als Zielgruppen des Projektes Netzwerk Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern:

die Psychiatriekoordinatorinnen,
die Leiter*innen der sozialpsychiatrischen Dienste,
die LIGA der freien Wohlfahrtspflege,
die Landesarbeitsgruppen des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern,
die Mitglieder des Landesverbandes Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern,
der Landesverband der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker,
der Verein EX-IN Mecklenburg-Vorpommern,
die Hochschulen des Landes
Gesetzliche Betreuer*innen

Diese benannten Akteure haben direkten Einfluss auf die Gestaltung der sozialpsychiatrischen Versorgung und sind daher als Ansprechpartner für das Netzwerk Sozialpsychiatrie maßgeblich.

3. Projektziele und -wirkungen

3. 1. Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei der Förderung der Qualitätssicherung im Rahmen der Gesamt- und Teilhabeplanung

Insbesondere im Hinblick auf das Thema Gesamt- und Teilhabeplanung existieren durch die gesetzlichen Neuerungen (BTHG) enorme Herausforderungen, das neue Verfahren zur Bedarfsermittlung, Durchführung und Beendigung bzw. Weiterbewilligung der Hilfen entsprechend der auch im Gesetz geregelten Qualitätskriterien zu gestalten. Fraglich ist zum einen, was bedeuten diese Kriterien aus der Sicht von Menschen mit psychischen Erkrankungen und zum anderen welche Anforderungen stellen sich demnach an das Verfahren einer Gesamt- und Teilhabeplanung. So lässt sich aktuell aufseiten der Leistungsträger vernehmen, dass es im Hinblick auf das Qualitätsmerkmal "Selbstbestimmung" sich eine Überstrapazierung des Begriffs konstatieren lässt. So gehen beispielsweise Verwaltungsmitarbeiter bei der Ermittlung des Bedarfs nicht immer sensibel mit der Gesamtsituation um und nehmen sehr schnell auf, dass es keinen Bedarf gibt, wenn der Mensch mit Behinderung wenig für sich formulieren kann. Mitarbeitende der Leistungsanbieter sehen oft einen viel höheren Bedarf an Unterstützung und formulieren eher ´ihre´ Ziele als die des Klienten. Der Mensch mit Behinderung steht oft zwischen diesen beiden Polen und wird nicht in die Lage versetzt, selbstbestimmt im Rahmen des Gesamt- und Teilhabeverfahrens zu handeln. Das Ziel ist somit, ein Verständnis und eine Haltung zu Qualitätskriterien im Rahmen der Gesamt- /Teilhabeplanung landesweit zu befördern.

3. 2. Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei der Förderung frühzeitiger Inanspruchnahme psychiatrischer Hilfen
In der Literatur und der sozialpsychiatrischen Praxis wird dem Erstkontakt zum psychiatrischen Versorgungssystem enorme Bedeutung für den Verlauf der Erkrankung beigemessen. Die Möglichkeit zur frühzeitigen Intervention hilft, individuelles Leiden zu verringern sowie die gesellschaftlichen Aufwendungen (Behandlungen, Ausfall der Arbeitskraft etc.) zu reduzieren. Die Betroffenen sind aufgrund von Unkenntnis, öffentlicher Tabuisierung und individuellen Schamgefühlen oftmals kaum in der Lage, Hilfen selbstständig und zeitnah aufzusuchen. Insofern bedarf es eines gut informierten und kompetenten sozialen Netzes im sozialen Nahraum, das in diesem Kontext die betroffenen Menschen bei der frühzeitigen Inanspruchnahme der psychiatrischen Hilfen unterstützt.

3. 3. Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei der Qualitätssicherung landesweiter Hilfeangebote
Die zunehmende Differenzierung der landesweiten Hilfeangebote, die normative Ausrichtung der Hilfen am personenzentrierten und lebensweltorientierten Paradigma, sowie die damit einhergehende Tendenz zur Flexibilisierung der Versorgung verlangen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtungen, der Verwaltungen sowie des öffentlichen Gesundheitswesens eine besondere fachliche Professionalität ab. Zudem fordert die UN-Behindertenrechtskonvention eine veränderte Grundhaltung der Mitarbeiter/innen in der sozialpsychiatrischen Versorgung weg vom System der Fürsorge hin zur Ausgestaltung von Teilhabeleistungen. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen in ihrer Selbstbestimmung unterstützt werden und als bereichernder Teil der Gesellschaft betrachtet werden. Haltungsbildung ist dementsprechend elementar in der Qualifizierung, um diese inklusive Haltung nicht nur in der Begleitung von Menschen mit psychischen Erkrankungen einzubringen, sondern diese in die gesellschaftlichen Bereiche zu transportieren. Das Netzwerk Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Land durch Koordination, Planung und Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen. Mitarbeiter/innen müssen informiert und qualifiziert sein im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen sozialpsychiatrischer Fachlichkeit und Praxis.

3. 4. Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei der Erprobung und Entwicklung sozialpsychiatrischer Aufgabenfelder
Der LSP M-V strebt eine enge Verzahnung von sozialpsychiatrischer Praxis und Wissenschaft an. Im Rahmen von Versorgungsforschung ist es wichtig, der sozialpsychiatrischen Praxis eine Stimme zu geben, diese wissenschaftlich zu betrachten und die Erkenntnisse wiederum zurückzugeben. Gelingt dieser Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis, kann eine Weiterentwicklung landesweiter Hilfsangebote vorangetrieben werden und gelingen. Der LSP M-V unterstützt das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit M-V durch wissenschaftliche Expertisen (in Kooperation mit dem Institut für Sozialpsychiatrie M-V e.V.). Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in diversen Gremien (Fachbeirat Psychiatrie etc.) und der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

3. 5. Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei der Entwicklung von passgenauer Versorgung im Hinblick auf die sog. Systemsprenger
Im Jahr 2019 war die Aufgabe des Netzwerkes Sozialpsychiatrie den aktuellen Stand der Versorgung für Menschen mit herausfordernden, schwierigen und/oder komplexen Hilfebedarfen in Mecklenburg-Vorpommern darzustellen. In 2020 soll darauf aufbauend der Fokus auf die Personengruppe der Kinder und Jugendlichen gelenkt werden. Aktuelle stehen sich zwei Positionen im Land gegenüber, die eine altbekannte Kontroverse um Geschlossene Unterbringung für Kinder- und Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern wieder entfacht hat. Das Netzwerk Sozialpsychiatrie will diese Positionen nicht aufgreifen, sondern über eine Analyse der derzeitigen Angebote und Verfahren und einer gleichzeitigen Darstellung der Bedarfe des Personenkreises eine Gegenüberstellung generieren. Zielrichtung des Netzwerkes Sozialpsychiatrie ist demzufolge, zu eruieren, wie sich die aktuelle Versorgung von Kindern- und Jugendlichen im Land Mecklenburg-Vorpommern zeigt. Welche Angebote und Verfahren hält die Jugendhilfe für diesen Personenkreis vor und was generiert die Sozialpsychiatrie. Wo zeigen sich Grenzen in der Versorgung und wie arbeiten die beiden Systeme, Kinder- und Jugendhilfe und (sozial)psychiatrische Angebote und Institutionen, zusammen. Parallel dazu werden Bedarfe dieser jungen Menschen aufgenommen und skizziert. Die Gegenüberstellung beider Aspekte soll dazu führen, dass daraus Empfehlungen abgeleitet werden können.
Neben dem Fokus auf Kinder und Jugendliche soll ebenso die Aufmerksamkeit in der weiteren Bearbeitung auf die forensischen Patienten gelenkt werden. In 2018 wurde zum Auftakt des Themas Versorgung forensischer Patienten*innen vom Landesverband Sozialpsychiatrie M-V, dem Institut für Forensische Wissenschaften und der Hochschule Neubrandenburg eine Plattform (Fachworkshop Forensik) bereitgestellt, die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven wie Psychiatrie, Eingliederungshilfe, Justiz, Verwaltung und Selbsthilfe aktuelle Problemfelder in der Versorgung forensischer Patienten*innen herausgearbeitet haben. Diese wurden systematisiert und Ende des Jahres 2019 in einem kleinen Expertenkreis priorisiert und untersetzt. Nun ist es für 2020 wichtig, diese erneut in die Runde der einst zusammengerufenen Plattform Fachworkshop Forensik zurückzuspielen und gemeinsam weitere Schritte zu verabreden.


 
   
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