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Modellprojekt Sozialpsychiatrie
April 1998 bis Dezember 2001

Projektteam
Projektleiter: Dr. Ingmar Steinhart
Mitarbeiter: Kordula Kleinwort
Kerstin Priewe
Kathrin Pfahl
Fachberatung: Christian Reumschüssel-Wienert


Vorbemerkung
Das Modellprojekt Sozialpsychiatrie wurde am 31.12.2001 beendet. Wir wollen im folgenden einen kurzen Überblick über die Ergebnisse und den erreichten Zwischenstand geben. Gleichzeitig möchten wir uns bei allen Mitstreitern, insbesondere dem Vorstand des Landesverbandes Psychosozialer Hilfsvereine M-V e.V., ganz herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Sozialpsychiatrie in Mecklenburg-Vorpommern bedanken.
Besonders herauszustreichen ist die wohlwollende Aufnahme unserer Ideen und Gedanken in allen Gremien des Landesverbandes und bei den einzelnen Mitgliedern vor Ort. Genährt wurde dieses Projekt stets durch den Input aus der Praxis und die enge Vernetzung und Einbindung in die konkrete sozialpsychiatrische Arbeit in den Einrichtungen.
Wohl einmalig für das Bundesgebiet war auch die enge Kooperation mit Mitgliedern des Landtages, die für fachliche Argumente nicht nur zugänglich waren, sondern diese in ihre legislative Arbeit transferierten. Persönlich zu nennen sind hier vor allem Frau Dr. Seemann (SPD-Fraktion) als Vorsitzende des Sozialausschusses und Frau Koburger (PDS-Fraktion) als Mitglied dieses Ausschusses und unermüdliche Unterstützerin für eine fortschrittliche Sozialpsychiatrie in Mecklenburg-Vorpommern.
Ohne die großzügige finanzielle Förderung und die uneingeschränkte fachliche Unterstützung des Sozialministeriums, insbesondere durch den Psychiatrie-Referenten, Herrn Michael Köpke, hätte die im nachfolgenden aufgeführten Arbeitsergebnisse niemals in der Kürze der Zeit erreicht werden können. Ihm gilt unser ganz besonderer Dank!

Projektauftrag
Unser ursprünglicher Projektauftrag von 1998, die Struktur, Qualität und Finanzierung gemeindepsychiatrischer Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern zu analysieren und Optimierungsvorschläge zu entwickeln, wurde durch die mittlerweile publizierten Arbeitsergebnisse der Kommission der Aktion Psychisch Kranke zum Personenzentrierten Ansatz sowie der Notwendigkeit einer für die Sozialpsychiatrie eigenständigen Ausgestaltung des §93 d BSHG verbunden mit der Bildung von Gruppen mit vergleichbarem Hilfebedarf schnell überholt. Im Einverständnis mit dem Sozialministerium veränderten wir unser Zielsetzung dahingehend, " fachliche Impulse für die Weiterentwicklung und Umgestaltung der psychiatrischen Versorgung im Land Mecklenburg-Vorpommern in Richtung einer personenzentrierten und lebensfeldorientierten Psychiatrie unter Wahrung der vorhandenen landesinternen Entwicklungsprozesse zu geben".
Aus pragmatischen Gründen beschränkten wird uns hier - sofern Fragen der Finanzierung berührt sind - zunächst auf die Leistungen der Eingliederungshilfe nach §39/40 BSHG. bzw. die Leistungen, die nach § 93 d zu regeln sind.

Arbeitsfelder und Ergebnisse 1)
Insgesamt wurden im Projektzeitraum fünf Arbeitsfelder bearbeitet:

1. Strukturdiskussion
In diesem Zusammenhang ist das sogenannte Basisstrukturmodell 3) entstanden, dessen Vorschlag zur Strukturierung der psychiatrischen Versorgungslandschaft ei-ne an gemeindepsychiatrischen Prinzipien orientierte Basis- und Pflichtversorgung auf kommunaler Ebene sicherstellen soll. Wesentliche Grundlage dieses Modell ist der Vorrang ambulanter Hilfen vor stationären Angeboten entsprechend § 3a BSHG, eine Aufhebung der engen Bindung von Betreuungsdichte an die Wohnform (Heim = dichte, ambulant = geringe Betreuungsnotwendigkeit) und eine wohnortnahe Erbringung von Komplexleistungen in sogenannten Service-Häusern. Um in der Praxis bestehende Barrieren für eine Umsetzung aufheben zu können, mußten auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändert werden. Das Modellprojekt hat daher bei allen Beteiligten Lobby-Arbeit dafür geleistet, daß auf kommunaler Ebene die Entscheidungs- und Kostenverantwortung für ambulante, teil- und vollstationäre Leistungen des Einzelfalles der Sozialhilfe zusammengeführt werden, was in die Praxis zum 1.1.2002 mit dem "Gesetz zur Neuordnung der Aufgaben nach dem Bundessozialhilfegesetz und anderen Sozialvorschriften" für Mecklenburg-Vorpommern erfolgte. Seit 1.1.2002 ist daher auch ein regionales Budget für ambulante und (teil)stationäre Eingliederungshilfeleistungen bei den Kommunen vorhan-den. Somit ist Mecklenburg-Vorpommern das einzige Flächenland in Deutschland, für das zumindest unter finanziellen Gesichtspunkten alle Voraussetzungen einer Kommunalisierung der Psychiatrie für den Bereich der Sozialhilfe-finanzierten Leistungen geschaffen wurden und in dem es eine gesetzliche Grundlage für den personenzentrierten und lebensfeldorientierten Ansatz im Bereich der Eingliederungshilfe gibt. Die inhaltliche Ausgestaltung dieses neuen Freiraumes durch die einzelnen Kommunen und den neuen Kommunalen Sozialverband und die personenzentrierte und lebensfeldorientierte Leistungserbringung durch die Anbieter steht allerdings noch aus.

2. Gesamtplan nach § 46 BSHG - Einführung IBRP
Zur Erstellung des Gesamtplanes nach § 46 BSHG unter Einbeziehung personenzentrierter und lebensfeldorientierter Sichtweisen fehlte bisher ein geeignetes Verfahren. Schnell konnten wir insbesondere die Anbieter davon überzeugen, daß das Metzler-Verfahren für die Zielgruppe chronisch psychisch Kranker absolut ungeeignet ist und darüber hinaus keinerlei Transparenz zwischen Hilfebedarf, Hilfeplanung und Finanzierung der Maßnahme erlaubt. Mit der wissenschaftlichen Erprobung des Integrierten Behandlungs- und Rehabilitationsplanes (IBRP) der Aktion Psychisch Kranke in zwei Erprobungsregionen (Landkreis Güstrow und Hansestadt Rostock) konnte aufgezeigt werden, daß es sich hierbei um ein sehr gutes Verfahren zur transparenten Hilfeplanung und Hilfebedarfsermittlung handelt, das als Grundlage eines Gesamtplanes und ebenfalls als Grundlage für die Verpreislichung von Gruppen mit vergleichbarem Hilfebedarf dienen kann. Im Rahmen des Projektes wurden in Kooperation mit dem Institut für Sozialpsychiatrie am Bereich für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Greifswald IBRP-Schulungen in allen Gebietskörperschaften des Landes angeboten, so daß das Verfahren mittlerweile einem Großteil der in der Psychiatrie und beim örtlichen Sozialhilfeträger Tätigen bekannt sein dürfte.

3. § 93 d Rahmenvereinbarung und Bildung von Gruppen mit vergleichbarem Hilfebedarf
Unter diesem Arbeitsschwerpunkt wurde ein Modell für die Bildung von Gruppen mit vergleichbarem Hilfebedarf aus empirisch in der Praxis gewonnen Daten entworfen, das zukünftig Grundlage für die Verpreislichung der Maßnahmepauschale sein wird. Hierzu hat man sich in der im Dezember 2001 von allen Partnern unterschriebenen Anlage zur Rahmenvereinbarung bereits verständigt. Ebenfalls wurde in der Praxis eine aus dem IBRP abgeleitete Maßnahmeplanung mit einem zugrundeliegenden Leistungskatalog und der Zuordnung von Minutenwerten erfolgreich erprobt. Hieraus wurde ein Vorschlag für eine Anlage "Sozialpsychiatrie" zur Rahmenvereinbarung abgeleitet und den Vereinbarungspartnern zugesandt. Diese Arbeitsergebnisse werden die Grundlage für die zukünftigen Verhandlungen mit dem Kommunalen Sozialverband und den Gebietskörperschaften sein, um eine Umstellung der Finanzierung von einer institutionszentrierten Förderung auf eine personenzentrierte Maßnahmepauschale auf Basis einer transparenten Hilfeplanung zu erreichen.

4. Psychiatrieberichterstattung
Insgesamt wurden zwei Datenberichte zur Situation der BSHG-finanzierten psychiatrischen Angebote in M-V erstellt. Aus beiden ergibt sich ein positiver Trend mit einem deutlichen Zuwachs an Tagesstätten-Plätzen und einem kleinen Zugewinn an ambulanten Versorgungsformen (Betreutes Wohnen). Insgesamt fällt aber auch auf, daß die aus Forschung und Praxis bekannten Möglichkeiten ambulanter Unterstützungsformen sehr wenig genutzt werden und daß die Heimversorgung auch finanziell die Versorgungslandschaft dominiert. Eine Verschiebung dieses Ungleichgewichtes zugunsten einer verstärkten Finanzierung personenzentrierter und lebensfeldorientierter ambulanter Hilfeangebote soll mit dem unter Ziff. 1 bis 3 erarbeiteten Maßnahmenbündel zukünftig erreicht werden. Dabei muß darauf hingewirkt werden, daß landesweit ein höherer durchschnittlicher Standard in den Angebotsformen und deren Ausdifferenzierung erreicht wird. Unsere Zahlen belegen leider immer noch, daß nicht jeder Bürger in seiner näheren Umgebung ein ausdifferenziertes Angebot erhalten kann und daß es ein starkes Gefälle in der Angebotspalette zwischen den kreisfreien Städten und den Landkreisen gibt.

5. Praxiserprobung
In mehreren sogenannten Erprobungsregionen wurden verschiedene Aspekte eines personenzentrierten Konzeptes wie IBRP, Maßnahmeplanung, Einführung von Case-Management, funktionale Angebotsorganisation, Belegungskonferenz erfolgreich erprobt, so daß die hieraus gewonnenen praktischen Erfahrungen in die Weiterentwicklung der landesweiten Sozialpsychiatrie zukünftig eingehen werden. Zu nennen sind hier insbesondere die Regionen Schwerin, Landkreis Güstrow und Hansestadt Rostock. Dieses Prinzip der Erprobungsregionen hat sich als sehr fruchtbar für den Praxisbezug und die Entwicklung sozialpsychiatrischer Konzepte erwiesen, so daß auch im Anschlußprojekt "Kommunale Psychiatrie" ausgewählte Regionen intensiver fachlich begleitet werden.

Ausblick
Über die Aktivitäten des Modellprojektes Sozialpsychiatrie wurden sowohl fachlich-strukturell wie auch von der Seite der Gesetzgebung die notwendigen Grundlagen und Voraussetzungen geschaffen, um die heute noch institutionszentrierte psychiatrische Versorgung in eine personenzentrierte und lebensfeldorientierte kommunale Psychiatrie umzugestalten. Diese Grundlagen müßten zukünftig in der Praxis von den Gebietskörperschaften, den Anbietern und den Kostenträgern mit Leben erfüllt und weiterentwickelt werden. Hierbei wird der Landesverband Psychosozialer Hilfsvereine in Kooperation mit dem Institut für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern seine Mitglieder intensiv unterstützen und diesen Prozeß insbesondere über die Arbeit der Arbeitsgruppen fördern.
Zur weiteren Unterstützung dieses Prozesses bei allen Beteiligten wird das Sozialministerium das Projekt Kommunale Psychiatrie mit seinem Arbeitsschwerpunkt der Prozeßbegleitung und Beratung fördern.



Erarbeitete Unterlagen des "Modellprojektes Sozialpsychiatrie"
  
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1) Hier finden Sie eine grafische Darstellung der Arbeitsfelder und der Ergebnisse
2) Zu jedem Arbeitsfeld wurden verschiedene Papiere erstellt. . Eine Zusammenfassung wesentlicher Arbeitsergebnisse findet sich auch in: Aktion Psychisch Kranke (Hrsg.) 25 Jahre Psychiatrie-Enquete S.253-265, Psychiatrie-Verlag, Bonn
3) Unter dem Link finden Sie dazu eine kurze grafische Darstellung


 
   
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